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Geschichte der Juden.
von manchen Seiten gedrängt, später ein Gesetz, daß diejenigenjüdischen Einwanderer, welche durch Zeugen überführt wurden, daßsie, nach dem Ritus getauft, zum Judenthum zurückgetreten wären,als Apostaten bestraft werden sollten^), was sie der willkürlichen Be-urtheilung der Gerichte und der Geistlichen aussetzte. Auch sonstlegte er ihnen vielfache Beschränkungen auf.
In vielen andern Gegenden Europa's dagegen, welche der Fußdes fanatischen Dominikaners betreten hatte, oder wohin der Rufvon seinen Thaten oder Unthaten gedrungen war, mußten die Judenden bittern Kelch der Leiden leeren. In Savoyen, das VicenteFerrer auch berührt hatte, waren die Juden gezwungen, ihre heiligenSchriften vor der Zerstörungswut!) in Gebirgshöhlen zu verbergen 2).Deutschland war stets ein ergiebiger Boden für Judenverfolgung, unddie Anarchie, die dort während Sigismunds Regierung und der Dauerdes Costnitzer Concils herrschte, beförderte sie noch mehr. Selbst dieitalienischen Gemeinden, die meistens unangefochten blieben, lebtenin Angst, daß die Hetzereien der Fanatiker in dem politisch so sehr zer-rissenen Lande Anklang finden könnten. Sie veranstalteten dahereine Synode, zuerst in Bologna (Nov. 1415) bestehend aus denAbgeordneten von den Gemeinden Rom, Padua, Ferrara,Bologna, Romagna und Toskana, je zwei von jeder Gemeinde,zunächst um eine Umlage für die Beiträge zu der Geldsumme zumachen, womit die päpstliche Curie günstig für die Juden gestimmtwerden könnte, und die ihnen drohenden Gefahren abzuwenden.
Als dann nach langer Kirchenspaltung mehrerer Gegenpäpsteund bitterm Hader von der Costnitzer Kirchenversammlung der PapstMartinV. gewählt wurde, versammelten sich abermals etwa zwanzigDelegirte jüdisch-italienischer Gemeinden in Forli (Mai 1418), umihn anzuflehen, die Privilegien der Juden, welche mehrere Päpste ertheilt,andere aber in unduldsamer Kirchlichkeit außer Kraft gesetzt hatten,zu erneuern. Die Delegirten wußten aber recht gut, daß mit leerenHänden bei der Curie nichts auszurichten ist; darum machten sie eineneue Umlage für Beiträge, und zwar um eine recht erkleckliche Summezu Stande zu bringen^. Nebenher hat die Synode auch Bestim-mungen gegen den Luxus der Juden getroffen. Martin V., von demdie Zeitgenossen sagten: vor seiner Wahl habe er als einfältig und
1) Ooäitz '0 -Vtkonsillv Uibei- II. Titel 77.
-) Joseph Kohen Uinelr Iik-Haclm p. 71.
2) Die Akten der Synoden von Bologna und Forli sind jetzt cdirt aus
einer Halberstamm-Handschr. unter dem Titel: mm 21 p
in Gractz Jubelschrift, hebr. Theil, S. 53 f.