Disputation von Tortosa.
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zu widerlegen. Allein die Worte wurden ihnen im Munde verdreht,und es wurde öfter im Protokoll ausgenommen: sie hätten diesenoder jenen Punkt zugegeben. Einige von ihnen sahen sich daher ver-anlaßt, ihre Widerlegung schriftlich aufzuzeichnen. Aber auch diesewurde mit vieler Willkür behandelt. Dieser und jener Punkt wurde,als nicht zur Sache gehörig, nicht zur Diskussion zugelassen. DieVertheidiger des Judenthums, die ohnehin mit Unmuth daran gingen,wurden müde gesprochen und gehetzt und wollten jede Erwiderungvermeiden. Mit einem Mal warf der Papst die Maske der Freund-lichkeit ab, zeigte sein wahres Gesicht und bedrohte sie mit demTode^). Zwei und sechzig Tage hatte bereits die Zungendreschereigedauert, und noch zeigte sich bei den Vertretern des Judenthumskeine Spur von der christlicherseits so sehr erhofften Geneigtheit, sichzu bekehren. Ihre Widerstandskraft wuchs vielmehr im Kampfe.So ließ denn der Papst in der drei und sechzigsten Sitzung dieAngriffsweise ändern. Geronimo trat auf des Papstes Geheiß alsAnkläger gegen den Talmud auf und behauptete: daß darin Abscheu-lichkeiten, Lästerungen, Unsittlichkeit und Ketzerei aller Art enthaltenseien, und daß dieses Buch verdammet werden müsse 2). Einige Neu-christen, Andreas Beltran (Bertrand) aus Valencia, Almosenierdes Papstes, Garci Alvarez de Alarcon, beide mit dem jüdischenSchriftthum vertraut, standen ihm darin wacker bei 3).
Geronimo hatte bereits im Aufträge des Papstes zu diesemZwecke eine Abhandlung ausgearbeitet ^), worin er Alles zusammen-kramte, was irgend einem Agadisten unter so vielen Hunderten imTalmud Unangemessenes entfahren war. Er stellte aber auch, manweiß nicht, ob aus frecher Bosheit oder aus Unwissenheit, Anklagengegen den Talmud auf, die augenfällig falsch sind. Geronimo be-hauptete nämlich in seiner Abhandlung: Der Talmud erlaube, dieEltern zu schlagen, Gott zu lästern, Götzendienst zu üben. Weilnämlich die talmudische Gesetzgebung aufstellt: Wer seine Elternschlägt, ohne ihnen eine Wunde beizubringen, verfällt nicht der überdieses Verbrechen verhängten Todesstrafe; wer Gott bei einem andernNamen als Jhwh lästert, sei nicht todeswürdig; wer Götzen ausFurcht vor Strafe anbetet, nicht straffällig (aber jedenfalls be-trachtet der Talmud alle diese Handlungen als Vergehen), darausfolgerte nun Geronimo, die Lehre der Talmudisten sei die allerem-
r) Das. p. 74.
2) Auszug der Protokolle bei de Castro a. a. O. p. 22l.
Das. p. 222. Zurita, ^uuales äo ^rsZon II I. 12 a. 45.