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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

seine Lebensaufgabe, seine ehemaligen Glaubensgenossen durch jedesMittel zum Christenthum hinüber zu ziehen oder zu verunglimpfen.Vicente Ferrer, den die Kirche heilig gesprochen hat, war einejener düstern Naturen, welche die Erde als ein Jammerthal betrachtenund sie dazu machen möchten. Er stach allerdings damals gegen denTroß der Welt- und Klostergeistlichen als ein Heiliger ab. Er warnicht den Lüsten ergeben, trachtete nicht nach Gold und Glanz, warvon Demuth durchdrungen und nahm es mit seinem Berufe ernst.Allein er war von der Verkehrtheit befangen, weil die Christenheit,Geistliche und Weltliche, durch und durch verderbt und angefault war,so stünde der Untergang der Welt nahe bevor, und sie sei nur dadurchzu retten, daß alle Menschen zum Christusglauben und zummönchischen Büßerleben gebracht würden. Vicente Ferrer erneuertedaher die alte Entmenschung der Geißelbüßung, zog durch die Ländermit einer Schaar Blindgläubiger, geißelte den entblößten Leib täglichmit Knotenstricken, entflammte die Menge zu denselben Hebungenund glaubte dadurch das Heil der Welt herbeiführen zu können.Mit beredter Sprache und sympathischer Stimme begabt, gewanndieser Dominikanermönch eine große Gewalt über die Gemüther.Wenn er unter Schluchzen an die Leidensgeschichte Jesu erinnerteoder den nahen Untergang der Welt ausmalte, so rührte er die Zu-hörer bis zu heftigem Thränenerguß und konnte sie zu jeder Thatund Unthat leiten. Er hatte eine hohe Würde am päpstlichen Hofeaufgegeben, um einfacher Barfüßermönch und Geißelbruder zuwerden. Dieser Umstand wirkte besonders mit, ihm viele Bewundererund Anhänger zuzuführen, weil ein solches Verzichtleisten auf An-sehen und Einnahmequellen von Seiten eines Geistlichen zu jenerZeit ein unerhörtes Beispiel war. Aber Ferrer mißbrauchte die

Vorzüge, welche ihm die Natur verliehen hatte, seine Gewalt überdie Gemüther durch seine Stimmmittel und seine Herzensdemuth,zu blutigen Gewaltthätigkeiten. Nicht nur gegen Juden und Ketzerkehrte er seine fanatischen Reden, sondern selbst gegen seinen Wohlthäter,der ihn aus dem Staube erhoben hatte. Die tiefe Verderbniß derKirche beweist am schlagendsten die Haltung dieses Mönches. Daßdie Kirche damals durch drei gleichzeitige Päpste zerrissen war, vondenen jeder sich als Statthalter Gottes geltend machte und dieGegenpartei mit Wort und That verfolgte, und daß einer dieserPäpste, Johannes XXIII. (14101415), alle Laster und Todsündenerschöpfte, Seeräuber, Ablaßkrämer, Henker, Wollüstling und Weiber-schänder war, das kennzeichnet die Entartung noch nicht so sehr, alsdaß eine wirklich reine und sittliche Natur wie Vicente Ferrer Mord-