Fünftes Kapitel.
Das sudenfeindliche Kleeblatt und das ausgedehnte Rcligions-gespräch von Tortosa.
Josua Lorqui Geronimo de Santa Fa, Biccnte Fcrrer und der GegcnpapstBenedictus XIII. Fcrrcr's Bekchrungscifer. Die Ausschlicßungsgcsctzedes castilianischcn Hofes gegen die Juden. Massenhafter Uebcrtritt derJuden zur Kirche. Die Disputation von Tortosa; die jüdischen Notabeln,Don Vidal, Joseph Albo, Scrachja Saladin, Mathatia Jizhari. DasProgramm zur Disputation. Gcronimo's boshaftes Benehmen und Anklagegegen den Talmud. Spaltung unter den jüdischen Notabcln. Bulle zurVerbrennung des Talmud; Beschränkungen und Zwangsprcdigten. DasEnde des Papstes Bcnedictus. Papst Martin und Kaiser Sigismund imVerhalten zu den Juden. Die günstige Bulle des Papstes Martin.
(1411—1420.)
Als wenn die Juden in Spanien noch nicht genug Feindegehabt hätten an den verarmten und trägen Bürgern und Adligen,welche den Wohlstand der Juden als einen, an ihnen begangenenRaub betrachteten, an den polternden Geistlichen, welche ihre Unsitt-lichkeit mit dem Mantel des Bekehrungseifers zudeckten, an den neu-getauften Emporkömmlingen, welche durch Haß gegen ihre Stamm-genossen ihre Abkunft vergessen machen wollten, traten im Anfängedes fünfzehnten Jahrhunderts drei Feinde zu gleicher Zeit auf, welchezu den erbittertsten und verbissensten gehörten: ein getaufter Jude,ein Dominikanermönch und ein von allen Seiten verlassener Papst.Diese drei, Josua Lorqui, Fray Vicente Ferrer und Pedrode Luna oder als Gegenpapst Benedictus XIII., haben den ver-hängnißvollen Knoten zum thränenreichen Trauerspiel der spanischenJuden geschürzt. Josua Lorqui, der seinem Meister Pablo de Santa-Maria gegenüber nur deswegen verfängliche Fragen über den Werthder Jesuslehre aufgeworfen zu haben scheint (o. S. 84), um seine Be-kehrung um so lohnender zu machen, — Lorqui, nach seiner TaufeGeronimo de Santa-Fs genannt, wurde Leibarzt des avigno-nensischen Papstes Benedictus und betrachtete es gleich seinem Meister als