Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

Der Hochmeister Israel.

101

seinem Nachfolger ernannt. Die Gemeinde Algier wählte ihn abernur unter der Bedingung, das; er sich nicht vom Könige bestätigenlassen dürfte H, weil sein Vorgänger zu selbstständig aufgetreten war.Simon Duran, ein auch mit wissenschaftlichen Fächern, Mathematikund Medizin, vertrauter Mann, war der erste Rabbiner, der von derGemeinde Sold bezog, was bis dahin in spanisch-jüdischen Gemeindenohne Beispiel war. Er hielt es daher für gerathen, sich deßwegenvor der öffentlichen Meinung zu entschuldigen. Es sei ein Nothfallfür ihn, da er einen Theil seines bedeutenden Vermögens währenddes Gemetzels eingebüßt und den Nest auf Bestechung hätte verwendenmüssen, um nicht als judaisircnder Christ den Molochsarmen derDominikaner überliefert zu werden. Fast als ein Bettler sei er nachAlgier gekommen, und die Arzneikunde, von der er sich Subsistenz-mittel versprochen hatte, bringe ihm nichts ein, da der ärztlicheStand unter den Berbern nicht geachtet sei. Hinterher bemühte sichSimon Turan die Annahme von Gehalt für rabbinische Funktionenmit dem Talmud in der Hand zu rechtfertigen"). Waren die Kirchen-sürsten, Bischöfe und Aebte ebenso gewissenhaft?

Es ist bemerkenswerth, daß bei der vorherrschenden Neigungim Mittelalter, einerseits ein straffes geistliches Regiment zu schaffen,und andererseits sich blindlings der Autorität zu unterwerfen, esinnerhalb der Judenheit nicht gelingen wollte, ein die Gemeindenund die Rabbinen beherrschendes Oberrabbinat zu gründen. Woes vorkam, wie in England und zuletzt auch in Spanien undPortugal, wurden die Großrabbinen (arobixirssdzUor, Radi inor)den Gemeinden vom Staate zum Nutzen der Staatseinkünfte förm-lich aufgezwungen. Auch waren die Gemeindeverbände in diesenLändern von so geringem Umfange, daß sich neben dem Rabbinender Hauptstadt kein ebenbürtiger und gleichberechtigter vorfindenmochte, und daher eine Unterordnung sich von selbst verstand. Inden größeren Neichen dagegen, bei größerer Dichtigkeit jüdischerGemeinden, verspürten diese keine Lust, sich einem außerhalb ihresVerbandes fungirenden Rabbinen unter allen Umständen zu unter-werfen.

Der Kaiser Ruprecht von der Pfalz machte in dieser Zeit denVersuch, ein deutsches Oberrabbinat zu schaffen. Dieser einsichts-

crsten Edition seiner Lsspp. an: 83 Jahre nach seiner Ankunft in Algier,d. h. seit 1391.

1 Dessen Uespp. 1. Xo. 1S8.

") Dessen Usspp. I. Xo. 148 und dessen Commcntar zu ^.dot IV. 5..llsllillsle p. 64.