98
Geschichte der Juden.
abgesehen hatte. Er verfaßte ein Werk zur Auslegung des rätsel-haften „Buches der Schöpfung" (1409 ') für einen der Kabbalaunkundigen Mann, Maestro Juan, worin er, um seine Alfanzereienzu belegen, geachteten Autoritäten älterer Zeit kabbalistische Aus-sprüche oder Schriften andichtete oder Namen für angebliche Ver-fasser mystischer Bücher geradezu erdichtete. Den Amoräer RabAschi, die Gaonen Saadia und Hai, den liturgischen Dichter Kaliri,einen Natronai, ein Schulhaupt Ahron aus Babylonien führte erals Gewährsmänner für kabbalistische Träumereien an. Botarel
versicherte aber dabei, daß er nicht lüge 2 ), wie er auch mit seinerBescheidenheit prahlte^). Im Gegensatz zu Schern-Tob, der diePhilosophie verabscheute, that Botarel sehr schön mit ihr, rühmteAristoteles als einen Weisen, der, wiewohl Heide, mehr als ein
Prophet gewesen sei, machte seinen Zeitgenossen Vorwürfe, daß siesich von dieser göttlichen Wissenschaft ferne hielten und behauptete,Philosophie und Kabbala hätten dieselbe Lehre und seien nur imAusdruck und in der Sprechweise verschieden; sie hängen beide
zusammen wie die Flamme an der Kohle''). Allein das ist Alles
eitel Aufschneiderei. Mose Botarel war nicht blos jeder Kenntnißder Philosophie, sondern jedes gesunden Gedankens überhaupt baar.Er war ein beschränkter Kopf, der an die Wirksamkeit von Amuletenund Kameen glaubte, sich darauf zu verstehen vorgab, wie man dieGottesnamen zu magischen Operationen zusammensetzen könne b). Er-gab ein Verfahren an, wie man durch Fasten, Waschungen, Gebete,Anrufung von Gottes- und Engelnamen solche Träume erzeugenkönne, welche die Zukunft enthüllen o). Er verschwor seine Seele fürdie Behauptung, daß die Gaonen Saadia und Hai, ja sogarMaimuni sich solcher Mittel bedient hätten. Dieser Lügenschmied wares wohl, welcher vorher durch Schwindeleien hatte glauben machenwollen, daß ihm, vom Propheten Elia gesalbt, eine messianischeRolle zugewiesen sei. So verdüstert waren die Gemüther in Folgeder blutigen Gemetzel, daß nicht Wenige, sich an einen Strohhalmder Hoffnung anklammernd, seinen Spiegelfechtereien Glaubenbeimaßen und ihn hoch verehrten und unter diesen auch der philo-sophisch geschulte Chasdai Crescas. Gestützt auf seinen gläubigenAnhang und treu seiner messianischen Rolle hatte Botarel, sich als dasHaupt des großen Synhedrion geberdend, ein ruhmrediges und
>) In Botarels .IsLira-Commentar. Mantua 1562, 46 b. gicbt Botarelselbst das Jahr an.
2 ) Das. p. 34b. 2 ) Das. Einleitung. ') Das. p. 26 b, 70 a.
6) Das. p. 34 s, b. °) Das. p. 76 s, b.