Beschuldigung wegen Hostienschändung. 95
wiesen, es überall bekannt zu machen und auf dessen Erfüllung zuachten. Man kann die Hand des Paulus de Santa Maria indiesem Gesetz nicht verkennen. Er kannte recht gut die starken undschwachen Seiten der spanischen Juden und mochte berechnen, das;die angesehenen Juden, in Gefahr ihr Amt und ihre Stellung zuverlieren, zum Christenthum übergehen würden, und daß die Treu-bleibenden, ausgeschlossen vom Verkehr mit der christlichen Gesellschaftund von der Betheiligung am öffentlichen Leben und auf sich selbstangewiesen, der Mißachtung verfallen und verkommen würden.
Zu gleicher Zeit richtete sich sein giftiger Haß gegen den ehe-maligen Leibarzt des verstorbenen Königs, Meir Alguadez.Hatte die Königin-Regentin etwas gegen ihn? Oder wollte derApostat Paulus ihn verderben, weil Mett Alguadez den Mittelpunktfür diejenigen bildete, welche dessen Plänen entgegen arbeiteten undihn der Verachtung Preisgaben? Ein aufregender Prozeß wurde zudiesem Zwecke in Scene gesetzt. Als die Königin-Mutter mit deingekrönten Kinde in Segovia war, erhoben einige Priester eine schwereAnklage gegen einen Juden dieser Stadt: Er habe vom Sakristaneine Hostie gekauft, natürlich um sie zu schänden; sie habe so erschreck-liche Wunder bewirkt, daß der Käufer sie in Angst und Zittern demPrior eines Klosters wieder zugestellt habe. Sei es nun, daß dieserVorfall durchweg erfunden oder daß ein Fäserchen Wahrheit zueinem haarsträubenden Lügengewebe geflissentlich verarbeitet worden war,genug der Bischof Juan Velasquez de Tordesillas gab derSache eine ungemeine Wichtigkeit, ließ mehrere Juden als Mit-schuldige verhaften und darunter auch Don Mett Alguadez. DieNegentin Catalina ließ in Folge dessen einen peinlichen Prozeß an-ftellen. Alguadez und die Mitverhafteten wurden gefoltert undgestanden ihre Schuld an der Hostie ein. Mett Alguadez soll aberein noch ganz anderes Geständnis; unter der Tortur abgelegt haben:daß der König Don Heinrich III. durch seine Hand umgekommen sei.Obwohl alle Welt wußte, daß der Monarch von Jugend an gekränkelthatte, so wurde Don Mett — dein die Richter unter der Folter dieFrage wegen Vergiftung des Königs vorgelegt haben müssen — aufeine grausame Weise hingerichtet; Glied für Glied wurde ihm aus-gerenkt i). Dasselbe Loos traf auch seine Mitangeklagten. Damit
*) Die erste Quelle für dieses Factum ist Alfonjo de Spina in seinem^ortniitium tiäsi ganz am Ende, noch hinter dem Register. Der Vers, hörtedie Erzählung von einem Augustiner, Martin aus Cordova, der sie von einemAugenzeugen, einem Dominikaner Juan de Canalcycs vernommen hat. Ausdem Isortnlitirriir ticisi schöpfen sie Oolmsiinrss, iristorin äs 8saovia, s. 28