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Geschichte der Juden.
— ein denkwürdiger Tag nicht blos für die Juden und nicht blosfür die Spanier, sondern für die ganze Weltgeschichte, weil dadurchder Keim zur Geburt des Ungeheuers „Inquisition" gelegt wurde —eines Tages predigte Martine; in gewohnter Weise auf einem öffent-lichen Platze gegen die Juden und stachelte die Menge geradezu gegensie auf, in der Erwartung, daß auf diesem Wege viele JudenbekehrungenVorkommen würden. Das Volk ließ sich zu Angriffen auf die Judenentflammen. Indessen schritten die Behörden der Stadt, der Ober-polizeimeister (^.lAnaoil mazwr), Don Alvar Perez de Guzman, undzwei Richter zum Schutz der Juden ein und ließen zwei Rädelsführerergreifen und stäupen. Dieses Verfahren reizte aber das fanatisirteVolk noch mehr. In seiner Wuth tödtete es viele Juden und bedrohteselbst die den Unglücklichen zu Hilfe Eilenden, den Gouverneur DonJuan Alfonso, Grafen von Niebla, und den Oberpolizeimeister mitdem Tode. Einige angesehene Juden von Sevilla, welche einsahen,daß die Behörden zu schwach waren, den Aufstand zu dämpfen, eiltenan den Hof des jungen Königs und beschworen den eingesetztenRegentschaftsrath, dem Judengemetzel Einhalt zu thun. Sie fandenauch dazu die beim König versammelten Räthe geneigt. Es wurdensofort Boten nach Sevilla gesandt, die Menge aufzufordern, im Namendes Königs die Juden in Ruhe zu lassen. In Folge dieser königlichenBefehle stellte sich auch der Adel zum Schutze der Juden auf undbesiegte die Aufständischen. Und als die christliche Bevölkerung inden Nachbarstüdten Miene machte, die Scenen in Sevilla nachzuahmen,sandten die Regentschaftsräthe auch dorthin Boten mit denselben Be-fehlen^). So wurde für den Augenblick die beabsichtigte Judenhetzehingehalten. Allein sie war dadurch keineswegs unterdrückt, im Gegcn-theil, sie brach von Neuem mit größerer Heftigkeit und in weitererAusdehnung aus. Es mag wohl einigen Mitgliedern des Regent-schaftsrathes Ernst gewesen sein, die Schlächtereien der Juden nichtzuzugeben; allein es lag ihnen nicht soviel daran, das rechte Mittelanzuwenden, um sie unmöglich zu machen. Ein solches Mittel wäregewesen: den Mordprediger Ferrand Martine; unschädlich zu machen,oder wenigstens ihm die aufregenden Reden zu verbieten. Nichts der-gleichen that die Regentschaft, sondern ließ ihm volle Freiheit, seinegiftige Zunge gegen die Juden zu kehren. Gestützt auf die Uneinigkeitim Negierungskreise, auf die ihm erwiesene Straflosigkeit und auf dieGährung, welche im ganzen Lande deswegen herrschte, hatte Martine;den Muth, die Menge gegen die Juden von Sevilla von Neuem zu
*) sronios. II. p. 861 I. ^ninAS. ^.nnalss äs 8evilla II. 280 tl.
Die jüdischen Quellen sprechen von diesem ersten Aufstande nicht.