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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Der Fanatiker Ferrand Martinez.

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andere .Wirkungen hatte eine gleichzeitige Verfolgung in Spanien;denn sie traf gewissermaßen das Herz des jüdischen Stammes undbildet daher einen trüben Wendepunkt in der allgemeinen jüdischenGeschichte. Die spanischen Juden waren bis dahin mehr verhaßt alsverachtet; eine blutige Verfolgung brachte auch sie zur Stufe der Ver-ächtlichkeit herab, schwächte ihren Muth, lähmte ihre Thatkraft undmachte ihre Haltung gebrochen. Auch sie ging, wie die von Prag,von einem Priester und von Pöbelhaufen aus, nahm aber die aller-weiteste Ausdehnung an und schürzte in vielfacher Verschlingung einendramatischen Knoten von erschütternder Wirkung. Sie entstand inSevilla durch eineu fanatischen Priester Ferrand Martinez, Erz-dekan von Ecija, Vikar des Erzbisthums von Sevilla, der dengiftigen Haß gegen Juden als Kern seiner Religion betrachtete.In seinen Predigten nahm er die Aufreizung gegen sie zum Haupt-thema und donnerte bald gegen ihren verstockten Unglauben, bald gegenihren Hochmuth und bald gegen ihre aufgehäuften Reichthümer, ihre

Geldgier und ihren Wucher. Er fand in Sevilla eine nur zu geneigteZuhörerschaft; denn in dieser Stadt waren die Juden nicht blos wegenihrer so kräftigen Betheiligung an dem Kriege der feindlichen könig-lichen Brüder Don Pedro und Don Enrique II. besonders verhaßt,sondern auch wegen der unter so auffallenden Umständen erfolgtenHinrichtung des Joseph Pichon^), des bei den Christen so beliebtenjüdischen Großen. Diese feindselige Stimmung reizte Martinez biszur leidenschaftlichen Erregtheit. Er mischte sich unberufen in Streit-sachen zwischen Juden und Christen ein, verbot mit Androhung desKirchenbannes den Verkehr mit dem verfluchten Geschlechts, ließ mau-rische Sklaven im Besitze von Juden entführen und taufen, fordertedie Menge bei einer kirchlichen Procession auf, bei welcher einige

Juden sich auf dem Platze gezeigt hatten, sie mit Stöcken und Steinenzu verfolgen und wiederholte öfter, daß die dreiundzwanzig Synagogenin Sevilla zerstört werden müßten. Vergebens hatten ihm die KönigeHeinrich II. und sein Sohn Juan I., von den Klagen der jüdischen Hof-leute bewegt, das Toben auf der Kauzel und die Gewaltthätigkeitgegen die Juden untersagt. Er kehrte sich nicht daran und fuhr mit

seiner Aufreizung fort. Er hatte die Frechheit, öffentlich zu verkünden,

daß der König und die Königin eine Freude daran empfinden würden,wenn Juden todtgeschlagen würden, und daß die Thäter dafür Ver-zeihung erlangen würden. Martinez muß - in der That Gesinnungs-genossen bei Hofe gehabt haben, welche ihm Straflosigkeit für seine