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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

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Schuldforderungen der Juden an Christen erlöschen, nicht nur dieZinsen, sondern auch das Kapital, und daß sämmtliche Pfänder aus-geliefert werden sollten. Dem Kaiser war der Vorschlag um so will-kommener, als er dadurch Aussicht auf Gewinn erlangte; denn diechristlichen Schuldner sollten gehalten sein, ihm fünfzehn auf hundertvon den Schuldsummen abzutragen. Die Gemeinden des südwestlichenDeutschlands, besonders Bayerns, wurden daher aufgefordert, Abge-ordnete zu diesem Zwecke aus ihrer Mitte nach Prag zum Hofgericht,später zum Reichstag nach Nürnberg zu senden. Die unglücklichendeutschen Juden, welchen dadurch der Verlust nicht nur ihrer Habe,sondern ihrer Lebensbedingungen drohte, bemühten sich, den für sieverderblichen Plan zu vereiteln. Aber es gelang ihnen nicht; dennnicht nur der Kaiser und die Reichsfürsten, sondern auch die Reichs-städte versprachen sich viel Vortheil von der Beraubung der Juden,da die Schuldner gehalten sein sollten, auch ihre nächste Obrigkeitdurch Procentsätze zu befriedigen. Von allen Kanzeln der Kirchewurde des Kaisers Erlaß (vom 16. September 1390) wie ein Jubel-jahr mit Schuldenerlaß verkündet. Aber nur die Fürsten und dieHerren der Reichsstädte hatten Grund zu jubeln. Die Schuldner da-gegen wurden noch härter von ihrer Obrigkeit wegen des ihr zufallen-den Löwenantheils geplagt, als früher von den jüdischen Gläubigern').Bei aller Verarmung der deutschen Juden, bei denen Haussuchungennach etwa zurückbehaltenen Pfändern vorgenommen wurden, verlangteder Kaiser doch von jedem Juden, ja selbst von jedem mannbarenJüngling oder Mädchen dengüldenen" Opferpfennig, jährlicheinen Gulden. Er erklärte geradezu den Besitzstand der Juden alssein Eigenthum und verbot ihnen, ihn zu verschreiben oder zu ver-geben 2). Und doch war der Kaiser Wenzel noch nicht der Schlimmstefür die Juden! Der Rabbiner Abigedor Kara von Prag rühmtesich seiner Freundschaft. Die Juden Deutschlands flüsterten sich ein-ander zu: Der Kaiser gab nicht viel auf die Christuslehre ch.

Die Ausplünderung und Verfolgung der deutschen Juden hattenkeine weittragenden Folgen; sie konnten dieselben nicht gebeugter undhaltloser machen. Sie waren seit lange daran gewöhnt, ihre Wangenden Streichen, ihren Rücken den Schlägen entgegen zu halten. Ganz

') Lichtvoll dargestcllt ist diese Schuldentilgung bei Stobbc das. S. 136 fg.,wo auch die Quellen angegeben sind.

2) Würfel, Nachrichten von der Judcngcmeinde Nürnberg, S. 7. Ge-meiner, Regensburger Chronik II. S. 318.

"1 Aus einem Codex mitgcthcilt von Luzzato historische Nachrichten in Ga-briel Polak, Ilslieliot Usäsm p. 79.