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Geschichte der Juden.
portugiesischen Judenheit stand ein Großrabbiner (Ar-Rabbi Mor),der fast fürstliche Befugnisse hatte und wegen seines wichtigen Amtesvom Könige ernannt wurde. Mit dieser hohen Würde pflegte derKönig geleistete Dienste zu belohnen oder sie auf einen Mann zuübertragen, der in hoher Gunst bei ihm stand. Der Großrabbinerführte ein eigenes Siegel, übte die höhere Rechtspflege und erließVerordnungen mit seiner Namensunterschrift und dem Zusatze: „Ar-Rabbi Mor durch meinen Herrn, den König, für die Gemeindevon Portugal und Algarve". Er mußte alljährlich sämmtliche Ge-meinden bereisen, ihre Angelegenheiten untersuchen und die.Einzelnenausfordern, ihre Beschwerden über Beeinträchtigung, selbst von Seitender Rabbiner, vorzubringen, und wo er Mißbräuche fand, sie ab-stellen. Auf seinen Reisen begleiteten den Großrabbinen ein jüdischerOberrichter (Onviäor), ein Kanzler ((Ranoollsr) mit seiner Kanzlei,ein Secretär (Lsorlvüo) und ein Executor (Uortsiro jnraäo), umdie richterlichen Urtheile zu vollstrecken. Die Großrabbiner warenselten im Besitze der talmudischen Gelehrsamkeit. Unter dem Groß-rabbinen oder Ar-Rabbi Mor standen Provinzialrabbinen (Onviäoreo)in den sieben Provinzen, welche von ihm angestellt wurden. Siehatten ihren Wohnsitz in den sieben Provinzialhauptgemeinden, inSantarem, Vieu, Cavilhao, Porto, Tor re de Mont-corvo, Evora und Faro. Sie beaufsichtigten die Provinzial-gemeinden und waren die Appellrichter für dieselben. Die Orts-rabbinen wurden zwar von sämmtlichen beitragenden Gemeindemit-gliedern gewählt; aber ihre Bestätigung und Bestallung empfingen siedurch den Großrabbinen vermöge einer im Namen des Königs aus-gestellten Urkunde. Die Rabbinen hatten nicht blos die bürgerlichesondern auch die peinliche Gerichtsbarkeit und behielten sie viellänger als die spanischen. Oeffentliche Urkunden mußten in derLandessprache ausgestellt werden. Die Eidesformel der Juden, selbstim Prozeß mit Christen, war sehr einfach, lediglich im Beisein des.Rabbiners mit der Thora im Arme.
Der König Ton Fernando hatte zwei jüdische Günstlinge, welcheseine Geldangelegenheiten leiteten: Don Juda, sein Oberschatzmeister(Msoroivo mor) und Don David Negro, von der angesehenstenjüdischen Familie der Jba-Jachia, sein Vertrauter und Nathgeber(^linoxarik). Als dieser leichtsinnige und verschwenderische Königgestorben war, und die Königin Lconora — diese wegen ihrer Reizeunwiderstehliche, wegen ihrer doppelten Untreue verhaßte und wegenihrer Rachsucht und Verstellungskunst gefürchtete Frau — die Regent-schaft übernahm, traten die Stadtvorsteher von Lissabon vor sie und