Das Großrabbinat in Portugal.
43
mögen einbüßen und noch dazu körperliche Züchtigung erleiden —ein albernes Gesetz, weil es entweder überflüssig oder unausführbarwar. Die Cortes von Valladolid verlangten auch, daß die Schuld-forderungen von Seiten der Juden an Christen getilgt, das Privi-legium, eigene Executoren zur Einziehung ihrer Schulden und eigeneCivilrichter (Vloaäos) zu haben, ihnen, so wie den Mauren genommenund sie überhaupt in Geldgeschäften beschränkt werden sollten.Darauf ging aber der König Don Juan nicht ein, sondern ließ esbei dem bisherigen, von seinen Vorfahren eingeführten Brauch be-wenden, da diese Beschränkung ihm Nachtheil gebracht hätte.
Diesem, man kann nicht gerade sagen judenfeindlichen Königesbegegnete das Unglaubliche, daß der Streit um das Großrabbinatvon Spanien ihm die portugiesische Krone aus den Händen entwand,die er bereits aufs Haupt setzen wollte. Er, oder vielmehr seine zweiteGattin, die portugiesische Infantin Beatriz (Brites) war vom KönigFernando durch einen Vertrag beim Mangel männlicher Kinder zurNachfolge bestimmt. Unter dem König Fernando (1367—1383) hattendie Juden Portugals eine außerordentlich glückliche Stellung erlangt, wiesie denn überhaupt in diesem Lande bis zur Vertreibung keine nach-haltige Verfolgung erduldet haben und immer wohlgelitten waren. Seitdem dreizehnten Jahrhundert (1274) hatte hier das jüdische Gemein-wesen überaus günstige Einrichtungen, wie sie in keinem europäischenLande in diesem Gefüge vorkamen-), wenn auch manche Institutionvon alter Zeit her Brauch gewesen sein mag. An der Spitze der
Das Lummario cko los liebes cks Lspaiia hat einen unglaublichenBericht: Juan I. habe auf Anrathcn Ucbclwollendcr die Juden zur Annahmedes Christenthums gezwungen, wodurch Viele getauft, Andere ausgcwandertund um Hab und Gut gekommen wären: die Juden hätten in Folge dessendie fürchterlichsten Verwünschungen gegen ihn und sein Haus ausgestoßen,worüber die Königin Lconora sich so verletzt gefühlt habe, daß sie sich ge-weigert habe, die ihr von Juden angcbotcnen Geschenke anzunchmcn, obwohlihr Beichtvater ihr dazu gcrathen habe; und sie habe sich lieber in ihre Geld-verlegenheit gefügt (LI ciospoussro mazmr, sommario oot. p. 77 Note). Dasmüßte also vor dem Tode der Königin, vor 1382, geschehen sein. Allein ausder urkundlichen Geschichte ist es bekannt, daß die Judenverfolgung erst 1391begann und daß diese nicht vom König ausging.
2) Uebcr die Gemeinde- und Rabbinatseinrichtung in Portugal ausführlich:6oäsx Vlkousiuo in der Orcksuautzao ^.tkonsiuo und ckoaguim ckoss LorsiraOorcko, memoria sobrs os lluäsos eu I'ortuAal in den Ilistoria / memoria,cka Voackemia lleal ckas soieueias 41 VIII. parte 2 (Lissabon 1823) vonoax. 4 u. ff. nach dem Ooäex Ulkousiuo daraus zusammcngcstcllt in Schäfer,Geschichte von Portugal III. S. 17 ff. und bei Andern. Ileroulauo, ckaOrigem äa luguisoäo 6M ?ortu»a1 I. 85 fg. Kaiscrling, Geschichte derJuden in Portugal, S. 8 sg.