Don Pichon's Tod.
41
Llalsin H Llosösr) verurtheilt, ohne ihn zum Verhör vernommen zuhaben. Einige Juden, welche bei Hofe Zutritt hatten, erbaten sich vomjungen König die Erlaubnis;, eine gefährliche Person aus ihrer Mitteohne einen Namen zu nennen, hinrichten zu dürfen. Vertraute des Königssollen bestochen worden sein, um den König ohne Untersuchung zur Be-willigung seiner Unterschrift zu bewegen. Mit dem Schreiben des Königsund dem Todesurtheil vom Rabbinats-Collegium versehen, begaben sichPichon's Gegner zum Polizeihauptmann (Alguacil) Ferna n Mar-tin und erbaten sich seinen Beistand zu dessen Hinrichtung, dessenBedenken infolge der Betheiligung des Großrabbiners schwand. Amfrühen Morgen (21. August) traten zwei Juden, Don Zulema(Salomo) und Don Zag, mit dem Hauptmann in Pichon's Wohnung,während er noch der Ruhe pflegte, und weckten ihn unter einemVorwände aust Sobald er an der Thüre erschien, wurde er, ohnedaß ein Wort mit ihm gewechselt wurde, von den zur Vollstreckungdes Urtheils beorderten Juden ergriffen und enthauptet^).
Dieses rasche, rücksichtslose Verfahren gegen einen hochgestelltenMann, von dem man nicht weiß, ob er selbst nach den rabbinischenGesetzen den Tod verdient hät, und ob er nicht als ein Opfer der Ränkeseiner Feinde gefallen ist, erregte den Unwillen von Klein und Groß.Der junge König Don Juan war in einem hohen Grade gegen dieJuden, aufgebracht, daß sie einen Mann, der seinem Vater so wesentlicheDienste geleistet hatte, gerade während der Feierlichkeit seiner Krönungumgebracht und von ihm die Einwilligung dazu erschlichen hatten.Er ließ darauf die jüdischen Vollstrecker des Todesürtheils und auchden Richter-Rabbiner hinrichten. Selbst dem Hauptmann FernanMartin war wegen des Beistandes, den er dabei geleistet, der Todzugedacht; auf Verwenden einiger Ritter schenkte ihm der König in-deß das Leben, ließ ihm aber eine Hand abhauen^). Dieser Vor-fall hatte noch weitere traurige Folgen. Vor allem entzog der Königden Rabbinen und jüdischen Gerichtshöfen die bis dahin von ihnenausgeübte peinliche Gerichtsbarkeit H,' weil sie mit dieser BefugnißMißbrauch getrieben hatten. Auf der ersten Cortesversammlung zuSoria (1380) erhob der König dieses Verbot zu einem dauernden
H Das hebräische Wort 7^2 „Verleumder" ist auch ins Spanische übcr-gegangen (malsiir) und bedeutet in dieser Sprache ebenfalls „Aufhctzcr",„Unruhstifter", „Zänker" und davon sind die Abstracta mal8inäg.ä, inalsi-nsi-ia und das Verbum malern ai- gebildet.
2) ^.zmla, Lr'vmoa II. p. 126 f. 2mmAa, ^imrrlss cla 8svllla II. p. 211.Diese Namen der zwei Juden kommen in -4)m1a'8 Oomponälum vor, Notea. a. O- °) Das. ') das. p. 127 f.