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Geschichte der Juden.
Mari, aus Savoyen, in Frankreich mit einer Vollmacht von demdeutschen Oberrabbiner Mekr b. Baruch Halevi (o. S. 10) ein, ver-möge welcher er allein berechtigt sei, ein Lehrhaus zu unterhaltenund Jünger als Rabbinen zu ordiniren. Wer ohne seine Erlaubnißrabbinische Funktionen ausüben und sich namentlich mit Trauungenund Ehescheidungen befassen würde, sollte dem Banne verfallen, unddie von einem solchen ausgegangenen eherechtlichen Akte sollten nullund nichtig sei. Wie es scheint, fand Astrüc Jesaia, der Schützlingdes Rabbiners von Wien, manche Anhänger in Frankreich, die seinerAutorität Gewicht verschafften; denn selbst seine Gegner gestanden ihmUeberlegenheit in Talmudkunde zu. Vermöge seiner Vollmachten ent-setzte er auch Jochanan seines rabbinischen Amtes, weil dieser sich ihmnicht unterordnen mochte (zwischen 1380—90). Da die Familie
de Vesou entweder nicht mehr existirte oder ohne Einfluß war, sofand der abgesetzte Jochanan keine kräftige Unterstützung. Indessenwaren doch Manche unter den französischen Juden mit diesem gewalt-samen und herrischen Verfahren des eingewanderten Rabbinen unzu-frieden und beklagten sich namentlich über die Anmaßung des deutschenRabbinen Melr Halevi, daß er Frankreich wie eine deutsche Provinzbehandelte und den französischen Gemeinden Gesetze vorschrieb, wozuer vermöge des Herkommens, daß jede Gemeinde und besonders jedesLand selbstständig sei, durchaus ohne Berechtigung wäre. Es entstandin Folge dessen eine Aufregung in den französischen Gemeinden, dienoch dadurch vermehrt wurde, daß Jesaia die Nabbinatssitze seinenVerwandten zuwies. Im Lande selbst konnte der Streit nicht aus-getragen werden. Jochanan wandte sich daher mit seinen Klagen überdie ungerechte Behandlung und Amtsentsetzung an die zwei Hauptvertreterder spanischen Judenheit, an Chasdak Crescas und Ben-Scheschet.Der erstere wurde bei seiner Anwesenheit in Frankreich von beidenParteien als Schiedsrichter angerufen ^). Beide „catalonische Großen"(wie sie genannt wurden) sprachen sich zu Gunsten des Jochanan aus.Wenn diese Verwendung und Unterstützung ihm auch etwas genützthat, so genoß er doch die Ruhe nicht lange, denn die Tage der Judenvon Frankreich waren gezählt.
Der Sturm, der diesesmal von Spanien ausging, hat den altenStamm, dessen tiefste Wurzeln in diesem Lande waren — seineBlüthenpracht und sein Laubschmuck waren längst geknickt —> bis ins
*) Von diesem Streite handeln die Rospp. Isaak b. Scheschct No. 268 bis272. Die Zeit ist oben annähernd bestimmt. In dem Schreiben des Jochananan Isaak b. Sch. No. 270 wird Jesaia b. Abba-Mari auch genannt.
Vcrgl. noch Note 2.