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Geschichte der Juden.
um Erleichterungen einzuführen. Er berief sich dabei auf ältereAutoritäten, auf R. Tam und andere, welche das talmudisch Ver-botene gestattet hätten. Diese Berechtigung dürfe jeder Rabbiner inAnspruch nehmen. Die Zeiten, meinte er ferner, seien auch gegenwärtigviel günstiger für die Entlastung von allzu peinlicher Stockfrömmigkeit,weil die Unwissenheit im Volke nicht mehr so grell sei, und die Be-fürchtung wegfalle, das; eine Erleichterung die andere nach sich ziehenkönnte. Diese Grundsätze sprach Galipapa nicht blos theoretisch aus,sondern befolgte sie auch praktisch. Freilich betrafen seine Erleichte-rungen nur unerhebliche Punkte. Er gestattete, am Sabbat das Haarzu schlichten und erlaubte, Käse von Christen zu genießen. Aber indieser Zeit waren auch solche Kleinigkeiten von Wichtigkeit. Auchsonst hatte Galipapa selbstständige, von dem Schlendrian abweichendeAnsichten. Den Messiasglauben, seit Maimuni ein Glaubensartikelgeworden, dessen Leugnen Ketzerei sei, beseitigte er kühn. Galipapameinte, die Prophezeihungen im Jesaia von der wunderbaren HerrlichkeitIsraels in der Zukunft, seien bereits in der Makkabüerzeit in Er-füllung gegangen. Die Geheimnisse im Buche Daniel deutete er mitrichtigem Verständnis;, daß der Mittelpunkt derselben die Frevelthatendes Antiochos Epiphanes verhüllt andeute ^). Er verfaßte eineeigene Schrift darüber. Es bedurfte dazu vier Jahrhunderte, bis dieseeinzig richtige Erklärung Galipapa's von der Bedeutung des BuchesDaniel sich Bahn brechen konnte und allgemein anerkannt wurde.Seine verständnißvolle Schriftausleguna wurde wahrscheinlich vonseinen im Nebel der Mystik hindämmernden und sich weiser dünkendcnZeitgenossen belächelt, aber gegen seine kühne Neuerung für diePraxis erhob sich ein Sturm. Sein Nachbar-Rabbiner Chasdalb. Salomo von Tudcla, ein Mann von nicht sehr lauterer Gesinnung,spielte den Angeber gegen ihn bei Ben-Scheschet, und dieser kanzelteden greisen Galipapa, der bereits Jünger ausgestellt hatte, wie einenSchüler ab. Er betrachtete es als Vermessenheit, daß Männer derGegenwart sich den Größen der Vergangenheit gleichstcllen wollten.Er beschwor Chajim Galipapa, das Aergerniß zu vermeiden und keineGelegenheit zur Spaltung in der Judenheit zu geben. Die bescheidenenReformversuche hatten keine Folgen weiter.
Die peinlich religiöse Richtung entsprang allerdings der Stimmungund dem Seelenbedürfniß jener Zeit; je strenger desto besser. Ben-Scheschet und sein Freund Chasda'i Crescas, der, wenn auch keinFeind der Wissenschaft und kein Geistesbanner, doch derselben Ansicht*) Albo a. a. O.: .12 . . . 7 i 22 'i>r . . 2.12