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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

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ein Freund in der Noth, ein zuverlässiger Anwalt der Schwachen.In den unglücklichen Tagen, welche über die Juden Spaniens zuseiner Zeit hereinbrachen, hat er mit allen Kräften zur Milderungder Uebel beigetragen.

An Charakter ihm ähnlich, aber an Denkart grundverschieden warsein älterer Freund Isaak b. Scheschet Barfat (Ribasch, geb. um1336, gest. 1408 H, halb und halb noch Jünger des Ben-Adret, daer wohl aus Barcelona stammte und sich unter dessen Sohn und un-mittelbaren Schülern, Perez Kohen und Nissim Gerundi aus-bildete. Wie er sich Ben-Adret's Klarheit in Auffassung und Behand-lung des Talmud aneignete, so auch dessen feindliche Stellung zurWissenschaft, ja Ben-Scheschet überbot ihn noch darin. Jenerhat sich durch die Zeitumstände dazu drängen lassen, sie lediglich derunreifen Jugend zu untersagen. Ben-Scheschet dagegen war in seinerabgeschlossenen Gläubigkeit der Ansicht, obwohl in seiner Zeit vonKetzerei wenig zu fürchten war, daß selbst reife Männer sich davonfern halten müßten. Die Naturwissenschaft und Philosophie müsse mandurchaus meiden, weil sie die beiden Grundpfeiler der Thora, dieSchöpfungs- und Vorsehungslehre, erschüttern, weil sie das Wissenhöher stellen als den Glauben, und weil sie gegen die Wunder Zweifelanregen. An dem Beispiele von Gersonides und selbst von Maimunifand Ben-Scheschet die Schädlichkeit philosophischer Forschung. Ob-wohl diese beiden unvergleichliche Größen gewesen, so hätten sie sichdoch von der Philosophie verleiten lassen, manche ketzerische Ansichtaufzustellen und manche Wunder in der Bibel zu verflüchtigen 2).Sonst war Ben-Scheschet ein sittlich gehobener Charakter, eine mildePersönlichkeit und brachte öfter sein persönliches Interesse dem allge-meinen Besten und dem Frieden bereitwillig zum Opfer. Aber woer eine talmudische Satzung oder auch nur einen unwesentlichenBrauch verletzt glaubte, verwandelte sich seine Milde in übermäßigeHerbigkeit.

Wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit, seines Hellen, durch-dringenden Verstandes und seines lauteren Charakters war er einegesuchte Persönlichkeit. Die bedeutende Gemeinde von Saragossawählte ihn zu ihrem Rabbinen. Die Gemeinde von Calatajudwollte ihn auch den ihrigen nennen, und da Ben-Scheschet geradeeinige Verdrießlichkeiten von Gegnern hatte, nahm er die Wahl anund schickte sich bereits zur Uebersiedelung nach Calatajud an. In-dessen gaben sich die Saragossaner viel Mühe, ihren Rabbinen zu

i) Vcrgl. Note 2. '') llespp. 45, 118, 447.