Chasdai Crescas.
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allerdings beide im Königreich Aragonien, wo die Juden unter DonPedro IV. und Juan I. weder so verarmt, noch so gebeugt warenwie ihre Brüder in Castilien. Chasdai Crescas und Isaak b.
Scheschet waren zwar nicht so bedeutend, um ihre Zeitgenossen zu be-herrschen und ihnen die Richtung ihres Geistes als Regel vorzuzeichnen,bildeten aber doch Brennpunkte für größere Kreise und wurden nichtselten zur endgültigen Entscheidung verwickelter Verhältnisse angerufen.Beide waren auf die Erhaltung und Förderung des Judenthums,auf Friedensstiftung in den nahen und entfernten Gemeinden, aufAufrichtung der gebeugten Gemüther bedacht, wie sehr auch ihreMittel beschränkt und die Zeitumstände ihnen ungünstig waren.
Chasdai Ben-Abraham Crescas (geb. um 1340 gest. um1410^) zuerst in Barcelona und später bis an sein Lebensende inSaragossa, gehörte, wenn auch talmudisch geschult und gelehrt,nicht dem Stande der bestallten Nabbinen an; sein Wohlstand undseine anderweitige Beschäftigung scheinen ihm keine Muße für diesesEhrenamt gelassen zu haben. Er stand nämlich dem aragonischenHofe unter Juan I. nah, wurde öfter in wichtigen Fragen zu Rathegezogen und verkehrte vielfach mit den aragonischen Granden. Mitden Ergebnissen der verschiedenen philosophischen Schulen war erso sehr vertraut, daß er sie mit einer Selbstständigkeit und einer Ge-dankentiefe beherrschte, die ihn zu einem originellen Denker stempelten.Freilich war die Religion oder die jüdische Ueberzeugung der Urgrundseiner Ideen; aber diese gestaltete sich in seinem Geiste zu einemeigenen Gebilde. Chasda'i Crescas war der erste, welcher die Schwächender herrschenden Philosophie — der Aristotelischen Weltweisheit, vonJuden, Christen und Mohammedanern gleich als unfehlbar hoch-geschätzt — tief erkannte, und er brachte ihr gewaltige Stöße bei, diesie bis auf den Grund erschütterten. Wäre seine Zeit metaphysischenSpeculationen günstig gewesen, so hätte sein selbstständiger, die Schul-formeln durchbrechender Gedankengang eine Umwälzung Hervorbringenkönnen. — Von seiner Jugendgeschichte ist nichts bekannt, und mankann auch nicht angeben, unter welchem Einflüsse er sich zu dieserGedankenreife ausgebildet hat, vermöge welcher er sich nicht blos überMaimuni und Gersonides, sondern selbst über Aristoteles' Autoritäthinwegsetzte. Seine Vorfahren waren talmudisch gelehrt, und seinGroßvater genoß dasselbe Ansehen wie die gefeierten Äschernden. Erselbst war ein Jünger des Nissim Gerundi von Barcelona im tal-mudischen Fache. Von Gemüth war Chasdai Crescas mild und sanft.
*) Bergl. über ihn Note 2.