Samuel Schlettstadt.
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des Rabbiners Urtheil ertränkt, der andere entkam, rettete sichzu seinen Freunden, den Andlau, trat zum Christenthum über undwurde um so giftiger gegen seine Stammgenossen. Die Andlausagten in Folge dessen der Stadt Straßburg Fehde an. SamuelSchlettstadt war aber noch glücklich genug, sich in die Burg Hohen-landsburg (bei Colmar) flüchten zu können, wahrscheinlich unter demSchutze eines den Andlau feindlichen Ritters (um 1376). Hierbrachte er mehrere Jahre zu, weil die Gemeinde von Straßburg denZorn oder die Habgier seiner Feinde nicht beschwichtigen konnte. Inder Einsamkeit des Burglebens, wo er von Familie und Glaubens-genossen getrennt war, füllte das Talmudstudium seine Muße aus.
Hat Samuel Schlettstadt während dieser Haft etwa gleich Me'tr vonRothenburg scharfsinnige Auslegung des Talmud zu Tage ge-fördert? Auch das nicht einmal; er arbeitete lediglich ein bereitsvorhandenes, doch ziemlich geistloses Sammelwerk (Uaräoobai) desMardocha'i b. Hillel (B. Vllz S. 252) um und veranstaltete darauseinen Auszugs), ein laut sprechendes Zeichen der Kraftabnahme undder Unselbstständigkeit — eine Schlingpflanze, die sich an eine andereanlehnt. Samuel Schlettstadt wurde aber aus dem Stillleben aufHohenlandsburg aufgestört, von Juden selbst angeklagt, den Tod einesGlaubensgenossen herbeigeführt zu haben, mußte heimlich entfliehen,drang bis zum Morgenlande vor und wußte sich einen Bannspruch
von Autoritäten zu verschaffen, von dem Exilsfürsten David b.Hodaja aus Babylonien und vom Rabbinat in Jerusalem, vermittelstdessen die Gemeinde von Straßburg gezwungen wurde, sich wirksamerfür ihn. zu verwenden und ihn schadlos zu halten. Der Kahn, welcherihn bei seiner Rückkehr über den Rhein setzen sollte, und auf dem sichsein Sohn befand, schlug aber um, und der unglückliche Vater mußte vomUfer aus den Tod seines Sohnes, dem er schon die Arme entgegen-gestreckt hatte, mit ansehen. Er klagte sich der Schuld am Tode
seines Sohnes an, weil er gegen seine Gemeinde einen so heftigen
Bannspruch veranlaßt hatte. — Samuel Schlettstadt mag in demblutigen Gemetzel mit umgekommen sein, welches die Bürger vonStraßburg in Verbindung mit den Andlau an der Gemeinde einigeJahre später ^) verübt haben. An grausigen Metzeleien der Judenin Elsaß hat es in dieser Zeit nicht gefehlt, während des KriegesKarls des Kühnen von Burgund gegen den Herzog von Lothringenund des aufständischen elsäßischen Städtebundes gegen den Kaiser.Fast alle die Juden von Colmar, Schlettstadt und noch andern kleinen
1) oder genannt.
2) Derselbe Bericht des Joselmann Roshcim zum Schluß.