Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Geschichte der Juden.

- .>

k.

.'V

pressen. In der That ließ sich der König bald von Manessier undeinem andern angesehenen Juden Jakob de Pons-Sainte-Maxence besänftigen, oder eigentlich durch die Summe von 15,000Mark, die wöchentlich abgezahlt werden sollte, erweichen. Darauferklärte er: er wolle Gnade für Recht ergehen lassen und ihre Privi-legien wieder erneuern. Er schürfte zwar, den Geistlichen zu Liebe,das Tragen von Judenabzeichen ebenso ein, wie sein Vater, befreiteindeß davon Manessier de Vesou und den Rabbinen Matthatia vonParis sammt ihren Familien und auch diejenigen Juden, welche ihrGeschäft nach Plätzen führte, wo keine Religionsgenossen wohnten Z.Später verlängerte derselbe den Aufenthalt der Juden um zehnund dann wieder um noch sechs Jahre. Alles dies geschah durchdie Bemühung des unermüdlichen Manessier-). Seinen Eifer für dieJuden und den Nutzen, den er dem Könige gebracht, belohnteKarl V. damit, daß er ihn und seine Familie von jeder Art Abgabe,Steuer und Leistung befreite (1374 o).

Indessen wenn auch die deutschen und französischen Juden nachso grausiger Schlächterei wieder auflebten, so war es blos dasLeibesleben, ihre Seele blieb todt. Ihre Geisteskraft war geschwun-den. In Frankreich, wo mehr als zwei Jahrhunderte von Raschibis auf die letzten Toßafisten das Talmudstudium zur höchsten Blütheemporgetrieben war, wo ein bewunderungswürdiger, fast unerreich-barer Scharfsinn und eine erstaunliche Denktiefe entwickelt wordenwaren, zeigte sich unter den Eingewanderten eine so erstaunliche Un-kunde ^), daß von neuem ein Anfang gemacht werden mußte. DiePrivilegien der Könige Johann und Karl sprachen zwar vonRabbinen, welche die Befugniß haben sollten, unwürdige Juden zuverurtheilen; aber wenn man sich darunter tiefe Talmudkundigedenken sollte, so gab es damals in Frankreich kaum einen Einzigen,mittelmäßige aber, nach dem eignen Geständniß der Zeitgenossen, nurfünf. Der Einzige, welcher damals das Talmudstudium vertrat,Matthatia b. Joseph Provenci, hat durch kein Schriftwerkseine Bedeutsamkeit bekundet. Vom König Karl V. so sehr geachtet,daß er und seine Familie vom Schandflecken am Gewände befreitwurde, und wie es scheint, mit dem Generaleinuehmer Manessier deVesou verschwägert, war er indeß in der besten Lage, dem Mangelabzuhelfen. Aus einer gelehrten Familie stammend, welche ihrenWohnsitz in der Stadt Troyes hatte und davon den Namen

') Das. V. p. 496 f. Orclonuaiiuss V. p. 44. ") Das. 118.

Isaak dc Lates 8eliuurs 2lou (vergl. w. u.) zum Schluß: