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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Die goldene Bulle und die Juden.

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hatten in Deutschland Bürger und ihre Schöppen nichts Eiligereszu thun, als Juden wieder aufzunehmen; sie vergaßen schnell ihrenEid, daß in ihren Mauern in hundert oder zweihundert Jahren keinJude wohnen dürfe'). Der Bischof von Augsburg bewarb sichbeim Kaiser Karl IV. um die Befugniß,Juden zu Heimen und auf-zunehmen"-). Die Kurfürsten, die geistlichen wie die weltlichen,waren förmlich darauf versessen, das bis dahin ausschließliche Rechtder deutschen Kaiser, Kammerknechte zu besitzen, zu beschränken undes sich als Machtbefugnis) übertragen zu lassen. Namentlich war

der damalige Erzbischof von Mainz, Ger lach, außerordentlich rührig,dem Kaiser Karl IV. dieses Recht abzuringen. Und es gelang ihmauch, da dem Kaiser daran gelegen war, die Kurfürsten in guterStimmung für sich zu erhalten. Auf dem Reichstage zu Nürnberg(November 1355), wo eine Act deutscher Neichsverfassung, bekanntunter dem Namendie goldene Bulle", gegeben wurde, ertheilteder Kaiser sämmtlichen Kurfürsten für alle Zeiten - nächst demRegal für aufzufindende Metall-Minen und Salzbergwerke auchdie Befugniß, Juden zu halten"), das heißt, er räumte ihnenauch diese Einnahmequelle neben den andern von Metallgrubenund Salinen ei». Aber nur den Kurfürsten gestand der Kaiserdieses Recht zu; über die Kammerknechte unter der Gewalt derkleineren Fürsten und der Städte behielt er sich sein Recht vor.Der erzbischöfliche Kurfürst von Mainz beeilte sich, sofort von demneuerworbenen Rechte Gebrauch zu machen und gewann einen Juden,der für ihn andere förmlich werben sollte^). So wurden die Judenzugleich abgestoßen und angezogen, gemieden und gesucht, geächtet und

') Um nicht viele Citatc zum Belege zu häufen, will ich nur dafür diedrastische Erzählung des clsäßischen Chronikers Königshoven anführcn(Chronik von Elsaß und Straßburg V. tz 78 x. 286):In Straßburg kamman überein in dem Rate, daß in 100 Foren kein Jude sollte in die Stadtkommen. Doch eh' zwantzig Jore verkomment, da kommcnt Schöffel undAmmann und der Rat überein, daß man die Juden solle wieder in die Etatcmpfahen. Also komment die Juden wieder gen Straßburg 1368." DieUrkunde darüber hat Schiller in den Anmerk, zu Königshoven p. 1053 s. mit-gctheilt. In Breslau wurden sic schon 1350 zugelasscn, Nürnberg nahm 1352Juden auf, ebenso Zürich, in Worms 1353um ihres Nutzens willen." InWien waren sie bereits 1353, in Erfurt 1354; selbst in Basel, wo sie jürzwei Jahrhunderte verbannt sein sollten, waren sic bereits wieder vor 1356,in Heilbronn 1357.

") Vergl. die Quellen bei Winer, Regesten zur Geschichte der Juden inDeutschland I. S. 130.

°) Goldene Bulle, Titel 9.

Z Vergl. Schaab, diplomatische Geschichte der Juden von Mainz, S. 96 ss.

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