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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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derselben richten, da wir hingegen im Gebiete der Phantasie, besser undreiner gestimmt, nnr ihre wirkliche Kraft, ihr wirkliches Wesen ins Angefassen und jene Schranken nur als das anschen, was diesem eine bestimmteindividuelle Gestalt giebt.

Wie gut das Vcrhältniß der verschiedenen Personen unter einanderbeobachtet ist, haben wir schon weiter oben bemerkt. Wir haben schonoben gezeigt, wie trefflich sich unter allen der Jüngling und die Jung-frau hervorhebcn; wie alle anderen sich immer in dein Grade, in welchemsie ihnen näher verwandt sind, auch näher und dichter ihnen zur Seitestellen; wie natürlich sich Hermann und seine Eltern in das Bild EinerFamilie, sie und die beiden Freunde in daS Bild benachbarter Bewohnerdesselben Ortes; sie alle endlich mit der ansgewandertcn Gemeine, demRichter und Dorotheen in das Bild derselben, nnr in mehrere an Gestaltund Bildung verschiedene Stämme getheilten, Nation zusammcnschließen.

Ucberall treffen wir daher das schönste Gleichgewicht, vollkommeneTotalität, die natürlichste pragmatische Wahrheit, überall den echten undreinen Charakter der epischen Dichtkunst an.

X6IX.

D i c t i o n.

Die Schönheit der Diction kann nnr an einzelnen Beispielen gezeigt,nur empfunden werden; wir schränken uns daher hier bloß auf eine ein-zige Bemerkung und ans wenige Worte ein.

In keiner Stelle dieses ganzen Gedichtes wird man einen überflüssi-gen Schmuck, eine müßige Metapher, überhaupt einen Ansdruck antrcf-fen, der stärker oder prächtiger wäre, als der Gegenstand ihn verlangt.Nichts kann dem oratorischcn Stil in der Poesie, den wir vorzüglich inden Werken der Ausländer so oft bemerken, mehr entgegengesetzt sein, alsder Vortrag unseres Dichters. Uebcrall schildert er nnr die Sache, aberüberall auch diese in ihrem ganzen und Völlen Gehalte.

Wo er große Natursccncn beschreibt, ist sein Ausdruck sinnlich,prächtig und kühn. Hermann und Dorothea gehen am Abend, da eben