allem, was sie umgiebt, schildern soll, der bei weitem nicht mit dergleichenWillkür Züge ans seinem Bilde wcglassen, oder andere hinznfügen dars,würde es auf diesem Boden immer an Natur und pragmatischer Wahrheitmangeln. Wo aber findet er mm in der neueren Geschichte eine eigentlichepische Handlung, eine solche, in welcher der Mensch allein und unmittel-bar handelnd und zugleich als Held anstritt? Gesetzt indeß, er fände auchdiese, so bleibt noch immer ein anderes, beinahe unüberwindliches Hinder-niß übrig. Eben die Eultur, von der wir im Vorigen sprachen, hat inunseren Handlungen einen Unterschied cingcsührt, in dem sie, ganz unab-hängig von der natürlichen moralischen Würdigung, einem bloß künstlichverabredeten Maßstabe des Schicklichen und Würdigen unterworfen wer-den. Jede bloß körperliche Beschäftigung, alles, was zum bloß gewöhnli-chen Leben gehört, ist diesen Begriffen nach unanständig und des gebildetenMannes unwürdig; alles dies muß er anderen äußerlich und innerlichminder vom Schicksal Begünstigten überlassen. Wie soll nun der epischeDichter diese Forderung mit dem Gesetze der höchsten Sinnlichkeit, derununterbrochenen Stetigkeit reimen? soll er seinen Helden als eine Puppezeigen, die, immer von Anderen bedient, für sich selbst nur durch Anord-uen und Gebieten, also durch Entschlüsse und Reden, thätig erscheint ?oder soll er immer nur die Masse, die ihn umgiebt (immer also nur Be-gebenheiten, nicht Handlungen) schildern, ihn selbst aber, gleich einemGott aus der Wolke, nur dann hervortreten lassen, wenn er einen ent-scheidenden Streich anszuführen im Stande ist?
Bis also das epische Genie durch die That das Gcgentheil beweist,kann man schon hiernach, ohne noch an das Wunderbare, dessen sie schwer-lich entbehren könnte, zu denken, die heroische Epopöe in unseren Tagenmit vollkommenem Rechte unter die Zahl der Unmöglichkeiten rechnen;und es bleibt daher so lange nichts anderes übrig, als alle epischen Stoffeimmer nur aus dem Privatleben und zwar ans derjenigen Mcnschcnklassezu nehmen, die wirklich auch jetzt noch natürlicher, einfacher und antikerlebt. Daß hierbei in der That in Rücksicht auf die Charaktere kein Ver-lust ist, kann schon Hermann und Dorothea beweisen. Was nur dieMenschheit Großes und EdleS besitzt, ist darin in seinem vollsten Gehalteausgeprägt. Dagegen ist an der Erhebung der Phantasie, an demSchwünge der Begeisterung ein wahrer und beklagenSwerther Verlust;aber dieser wäre auch wahrscheinlich (wenn es hier der Srt wäre, dieMöglichkeit der heroischen Epopöe für uns allgemein zu untersuchen) noch