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empfinden nnd begehren eben so gut als nachher; aber das, was aus nnSein-, nnd was ans nnS znrückwirkt, nnd die Art, wie dies geschieht, istuns einzeln nicht klar nnd verständlich. Dies ist die Periode der bloßenNatur.
Unser Verstand entwickelt sich, eine tiefere Einsicht beginnt, wirunterscheiden nnö deutlicher von dem Objecte, und ein Object von demanderen. Wir verstehen besser, was mit uns vorgeht, aber wir lassenauch unseren Empfindungen weniger natürliche Freiheit, nnd so lange alsounsere Cultnr noch unvollständig nnd einseitig ist, verderben nnd verdre-hen wir unser gesundes nnd gerades Gefühl. Dies ist die Periode derbloßen Cultnr.
Unsere Einsicht erweitert sich, wir geben nnS, besser über uns selbstbelehrt, unsere natürliche Freiheit wieder, kehren von den Verirrungen, zudenen uns eine einseitige Cultnr verführt hatte, auf die Spur der Naturzurück; wir werden nun wieder zu eben dem, was wir waren, ehe wirausgingcn, aber wir selbst nnd die Welt sind uns nun verständlich nndklar, und dies bessere und vollere Verstehen hat zugleich unserem Gefühleund unseren Neigungen eine andere Gestalt mitgctheilt: sic sind verfeinertworden, ohne eigentlich in ihrem Wesen verändert zu werden. Dies istdie Periode der vollendeten Bildung.
Zn dieser letzten Periode kann nun zwar der epische Dichter denMenschen wieder aufnehmen, nnd so ans einmal den doppelten Vorzugder Natur nnd der Cultnr vereinigen. Zu gewissem Grade thut er diesauch wirklich. So hat der unserigc z. B. Dorotheen nnd dem Richtereine sehr hohe, aber eine durch Begebenheiten und Erfahrung, nicht durchWissen und Studium hervorgebrachte gegeben. Doch abgerechnet, daßdurch eine solche Beimischung einer mannichfaltigeren Bildung die dichteri-sche Wirkung nur wenig gewinnt, so wird er auch noch, sich jenes Vor-theiles ganz zu bedienen, durch etwas Anderes verhindert.
Das llcbergewicht der Cultnr gicbt unserer ganzen Lebensart einegewissermaßen unnatürliche und künstliche Gestalt, und einen ähnlichenCharakter tragen auch die Begebenheiten unserer Zeit au sich. Da sieeine Menge neuer Bedürfnisse weckt, und vor allem darauf ausgeht, diemöglichst große Zahl der Zwecke mit dem möglichst kleinen Aufwande vonMitteln zu erreichen, so hat sie zwischen die Kraft des Menschen und dasWerk, das er dadurch hcrvorbringt, eine Menge von Werkzeugen undMittelgliedern gesetzt, vermöge deren ein Einziger mit geringerer Austrcn-