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sind eigentlich durchaus von gleichem absoluten Wcrthe, nur sind auch unterihnen wieder die Nuancen fein und schön angegeben. Die Mutter ist von derthätigsten Bravheit, der reinsten Güte, der zartesten Feinheit; aber sie istes gleichsam ohne ihr eigenes Verdienst und ohne es selbst zu wissen.Alles liegt allein in ihrer Weiblichkeit und ihrem Mnttcrgcfiihl; immerstellt sie sich nur hinter ihren Hermann zurück; immer sieht sie sich alleinnur in ihm. Hermann hat die schönste Anlage zu allem Besten undHöchsten, aber sic ist mehr stark angcdcntct, als schon hinlänglich aus-gebildet. Dorothea allein zeigt einen gewissen identischen Schwung, nursie erhebt sich zn einer Höhe, ans der sic, wie uns die letzten Gesprächezwischen ihr und Hermann deutlich beweisen, nur halb von den übrigenverstanden, allein dastcht. Mit Hermann würden Nur gern einzelne Tageverleben, ihn gern mitten in seiner Geschäftigkeit, in seinen! Familienkreiseerblicken; die zärtliche Sorgfalt der Mutter würde uns herzliche Thränenablocken; die gutmüthigc Lebhaftigkeit des Paters »ns ergötzen und freuen:aber nur mit Dorotheen möchten wir umgehen, nur sic könnten mir zurVertranten unseres Herzens wählen.
Im Ganzen, sehen wir an dieser allgemeinen Uebcrsicht, kommendie Charaktere unseres Dichters sehr mit den Homerischen überein. Auchin Homers Helden finden wir vor allem ein Herz in der Brust, „dasUnrecht hasset und Unbill," einen geraden Sinn, der alles Verworrenekurz und einfach schlichtet, und einen Math, der daS einmal Beschlossenekraftvoll ansführt. Auch in der äußeren Lebensart ist eine auffallendeAehnlichkeit. Auch Homers Helden hat „Arbeit den Arm und die Füßemächtig gestärkct"; auch, sie sind selbst Ackersleutc, schirren, wie Hermann,ihre Pferde selbst an, und spannen sic selbst an den Wagen. Ja, wasnoch mehr ist, in dem Richter der ansgewandcrten Gemeine erkennen wiran der Weisheit, mit der er den unbesonnenen Hansen zur Ordnung undzum Frieden ermahnt, an dem Ansehen, mit dem er durch wenige Worteihre Streitigkeiten schlichtet und die Ruhe wieder hcrstcllt, den Führer derVölker wieder, wie ihn uns Homer, und noch mehr, wie ihn nnS Hesiodnsschildert. Von dieser Seite hat daher die eigentliche heroische Epopöe nursehr wenig vor der unseligen voraus.
Kein epischer Dichter nämlich kann das Heldcnmäßigc in den Cha-rakteren entbehren. Denn wenn der lyrische und der tragische nur ein-zelne Empfindungen und Leidenschaften brauchen, so braucht er hingegendas ganze Wesen des Menschen. Dieses ganze Wesen also muß auch