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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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seine epische insbesondere, so wäre es minder nothwcndig, denselben hcr-nnSznhcbcn. Aber wenn die Epopöe auf der einen Seite nie genug Le-ben, Bewegung und sinnlichen Glanz erhalten kann, und auf der anderenden allgemeinsten Ucbcrblick, die tiefste Einsicht in die gesammtc Naturverlangt; so müssen zwei Arten der Bearbeitung, von welchen die einevorzugsweise den crstcrcn, die andere weniger diesen, aber darum (weilin der That die inneren Formen immer reiner hcrvortrctcn, je einfacherdie äußeren behandelt sind) vielleicht nur noch vollkommener den letzterenEndzweck erreicht, auch zwei eigene Gattungen derselben bilden, und dieerstcrc muß sogar, da sie daS epische Gedicht noch sichtbarer, als ein Ma-ximum der darstellenden Kunst zeigt, in dieser Hinsicht einen Vorzug ver-dienen. Wenigstens müssen wir uns sehr hüten, dieselbe zu vernachlässi-gen, oder gar gcringznschätzcn, da der Charakter unserer Zeit schon dar-auf hinanSgcht, überall den heroischen Glanz wegzuwischcn, mit dem wirdie Geschichte der Vorwclt so zauberisch nbcrkleidct sehen, und auch unsereKunst sich offenbar hinncigt, von jener sinnlichen Höhe der Einbildungs-kraft (die sic oft nur darum zu verschmähen scheint, weil sic dieselbe nichtzu erreichen vermag) zu einer Wahrheit und Natur hcrabzusinken, die kaumnoch künstlerisch heißen darf.

Wenn wir daher auch Miseren Begriff der Epopöe selbst nicht nm-zuändcrn brauchen, so müssen wir doch zwei wesentlich verschiedene Gat-tungen derselben unterscheiden, von denen wir nur die eine, gerade weilcs an Mustern derselben fehlte, noch nicht gehörig zu nennen im Standewaren. So wie es ein bürgerliches Trauerspiel im Gegensatz des heroi-schen gicbt, eben so und noch mehr, da dieser mehr sinnliche Schwungder Phantasie, wie wir gesehen haben, in der That den Begriff der Epo-pöe näher angcht, als den Begriff der Tragödie, müssen wir auch eineähnliche Art der Epopöe annehmcn; und eine solche ist Hermann undDorothea.

Diese beiden Gattungen nun kommen in dem wesentlichen Begriffedes epischen Gedichtes schlechterdings mit einander überein, gehen beidevon der Darstellung einer einzelnen Handlung ans, zeigen beide den Men-schen und die Welt in ihrer Verbindung, und versetzen beide das Gcmüthin den Zustand der sinnlichsten, aber allgemeinsten Betrachtung, sindaber in der Art, wie sic diese Wirkung erreichen, von einander verschieden.

Die heroische Epopöe nämlich wählt ihren Gegenstand so, daß ereine möglichst glänzende Außenseite hat, und ist vorzugsweise beschäftigt,