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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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im Kampf bei dem Lager der Griechen eine andere Richtung gegeben,Hektar und den Troern Ruhe verliehen. Jetzt wendet er sein Angesichtvon diesen blutigen Sccncn hinweg, und blickt ans die friedlichen Völker-schaften der Thrakicr und Hippomolgcn, die, schuldlos und gerecht, nurvon Milch leben, und jede Gcwaltthätigkcit scheuen. Wie ist es möglich,so große und erhabene Gegenstände in dasselbe Bild znsammcnznfassen,ohne schon seinen Stoff so glücklich gewählt zu haben, daß man zugleichVölkerschaften, die um das Schicksal der Welt kämpfen, Nationen, die einfriedliches und schuldloses Hirtenleben führen, und einen Gott der Götterdarin antrifft, der von dem Gipfel eines Berges beide überschaut, beiderichtet und beherrscht, aber lieber und williger bei dem Anblick des Frie-dens, als auf dem Schauplatz der Ehrsucht und des Mordes verweilt.

Derselbe Gedanke, die beiden Extreme der menschlichen Natur, dieheftige und unruhige Thätigkeit, mit welcher der Mensch immer nachetwas Neuem und Höherem strebt, und die stille Genügsamkeit, mit derer sich immer nur in demselben Kreise hcrnmdrcht, und mir diesen mitSegen und Gedeihen zu erfüllen strebt, unmittelbar neben einander auf-znstellen, und sich selbst und den Leser zugleich zu der Höhe zu erheben,beide in ihren Verbindungen, und mit ihnen, da die eine oder die anderealles enthalten muß, was Menschen zu denken und zu empfinden imStande sind, die ganze Welt zu überschauen ließ sich gewiß auf sehrverschiedene Weise ansführen, und muß sogar gewissermaßen in dem Planjedes epischen Dichters liegen; aber nie war cS möglich, ihn ans eine mehrsinnliche, prächtige, erhabene und in jedem Verstände epische Weise dar-zustcllcn.

I.xxv.

Jener unbestimmte Begriff der Epopöe wird bestimmt, sobald man ihn auf dendes Heroischen zurnckfnhrt.

Es ist daher unläugbar gewiß i die Sphäre, woraus der Stoff, dieHandlung, die Personen der Epopöe genommen sind, ist für die Wirkungauf den Leser auf keine Weise gleichgültig.

Aber wenn dies nicht auf einen unbestimmten Begriff von bloß rela-tiver Große der Begebenheit und Mannichfaltigkcit der Bewegung hinaus-