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ihre Anforderungen an Totalität anfzngeben, muß sie, statt eine unend-liche Fläche vor uns ansznbreitcn, einen einzelnen Punkt so gleichsamschwängern, daß in ihm allein alles enthalten sei; statt den Menschen unddie Welt eigentlich darzustcllcn, einen solchen Zustand der EmpfindungHervorbringen, in welchen der volle Eindruck von beiden übcrgegangenist, und ans dem das innige Gefühl für beide gleich leicht und voll aus-strömcn kann.
Um bei der unruhigen Anspannung, die mit der Empfindung immerverbunden ist, noch die ihr cigenthümliche Ruhe zu behaupten, muß siedenverwegenen Schritt wagen, den Menschen und die Welt, die sic nicht mehrzu schlichten und zu versöhnen im Stande ist, durch einen kühnen Streichauf einmal von einander zn trennen, und dem ersteren dadurch seine Ruhewiedcrzngebcn, daß sie ihn, alle seine Kraft in ihm selbst versammelnd,unabhängig und selbstthätig macht.
Da nämlich hier in dem ursprünglichen Zustande deS Gcmüths, undin dem, welchen die Kunst herrschend machen will, nicht, wie bei dem epi-schen Dichter, von selbst Harmonie vorhanden ist, so können beide nurdurch die Lösung des Widerspruchs verbunden werden, in dem sie stehen,und in der Stimmung, die hierdurch bewirkt wird, bleibt immer etwas Ge-waltsames und Heftiges übrig. Dies aber wird in dem Grade gemildertwerden, in welchem der Dichter mehr seine Natur als jenen ursprünglichenZustand, die Heftigkeit der Leidenschaft, hcranshcbt; und wie sehr es ihmhierin gelingen kann, lehrt uns das Beispiel der Alten.
I.XVI.
Warum die Werke der Alten vorzugsweise eine so große Ruhe hcrvorl'riugen?
Ein scharfsinniger und geistvoller Kritiker hat bemerkt, daß die Werkeder Alten eine hohe und würdige Ruhe hcrvorbringen, da uns.die derNeueren hingegen in einer unruhigen Spannung lassen; und diese Bemer-kung ist, wenn sic sich auch nicht so durchgängig bestätigt finden sollte, dainan wohl Sophokles' Oedipus gegen das Ersterc und Gocthc's Iphigeniagegen das Letztere anführen könnte, im Ganzen gewiß äußerst wahr.
Die Alten bringen allerdings mehr Harmonie und Ruhe hervor: