wir, wenn wir genauer in diese Bcrglcichnng eindringen, statt einer blo-ßen Nachahmung des Alterthnms, eine überraschend schöne Bereinigungder wesentlichsten Vorzüge der alten Kunst mit den Fortschritten undVerfeinerungen neuerer Zeiten.
Den ersten Unterschied treffen wir in der Art der Darstellung unddem Tone des Bortragcs an.
Tie Alten zeichnen fast durchaus nur Gestalten, Bewegung undHandlung; ihre ganze Kunst ist lebendig, mannichfaltig und sinnlich. DieBegebenheiten, welche sie schildern, haben immer etwas Großes und Glän-zendes; sic reißen durch das Heroische in den Unternehmungen und dieWichtigkeit des Erfolges zu enthusiastischer Bewunderung mit sich fort.Der Glanz, worin sic schon dadurch erscheinen, wird noch durch die be-ständige Mitwirkung überirdischer Mächte erhöht. Menschen und Göttersind ans demselben Schauplätze mit einander oermischt; der natürlichellanf der Ereignisse wird alle Augenblicke durch überraschende Wunderunterbrochen; und als wäre der Olymp selbst noch nicht groß und mächtiggenug, so schwebt noch über Menschen und Göttern das furchtbare Schick-sal, dessen Aussprüchen beide gehorchen müssen.
Die Personen, die sie anfführcn, thcilcn nicht allein großcnthcilSzugleich denselben Glanz, sind Heroen, die zwischen dem Olymp und derSterblichkeit in der Mitte stehen, sondern sic sind auch mcistcnthcils nurnach ihren äußeren Gestalten, ihren Handlungen, ihren Reden individna-lisirt, nicht, wie so oft bei den neueren Dichtern, nach ihren innerenCharakterformcn und Gesinnungen. Dadurch besitzt z. B. Homer eineso große Menge von Figuren, ohne gerade eine gleich große Anzahl be-stimmt unterschiedener Charaktere anfznstellcn. Was diese letzteren selbstbetrifft, so zeichnen die Alten entweder nur sehr stark und wesentlich voneinander unterschiedene, nur die Hanptseiten der Menschheit, oder wosie in feinere Nüanccn cingchcn, unterscheiden sic dieselben wieder nur nachder äußeren Bildung. So findet man z. B., wenn man die Reihe identi-scher Formen in den Werken ihrer Bildhauer durchgeht, die Hauptfiguren,einen Apoll und Bacchus, eine VcnnS und Diana, selbst noch einen Ju-piter und Neptun durch die wesentlichsten und auffallendsten Charakterzügevon einander gesondert; aber vergleicht man hernach diejenigen, welchenäher zusammen gehören, z. B. die Heldenstatnen, so kennt man wohlihre Züge wieder, aber ihren Charakter würde man vergeblich in hinläng-licher Bestimmtheit einzeln anzugcbcn versuchen. Indes; werden wir auch