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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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kündigt, sie bei ihnen mit nllen de» Eigenschaften verschwistcrt war, welcheden Menschen weise »nd rnhig dnrch das Leben führen, mit dem strengorganisircnden Verstände, dem rnhig ausnehmenden Blick nnd den: schö-nen Gleichgewicht aller Neigungen nnd Gcmüthskräftc.

Daß dieser Geist, mehr als in irgend einem anderen neueren Ge-dichte, in dem gegenwärtigen herrscht, haben wir im Vorigen bewiesen.Schon die Blicke, die wir bisher ans einzelne Theilc desselben geworfenhaben, reichen hin, die Einheit des Planes, die reine und volle Natur,die aus allen darin handelnden Charakteren nnd dem Geiste des Ganzenspricht, nnd die Festigkeit der Zeichnung, in der so oft ein einzelnes Bei-wort ans einmal ein ganzes Bild zu vollenden genug ist, im Allgemeinenzu zeigen. Die sichere Kraft, die zugleich ans einem rnhig beobachtendenSinne nnd einem überlegt anordncndcn Verstände beruht, nnd die innigeWärme, die nur dann da ist, wenn sich das ganze Herz gerührt fühlt,sind überall gleich sichtbar nnd wirksam.

Wie Homer nnd die Alten, wirkt unser Dichter nur dnrch das, waser in seinem Werke wirklich ist, dnrch die Gestalt nnd das Wesen, inwelchem er sich rnhig nnd ansprnchloS vor den Zuschauer hinstcllt; nichtaber wie die neueren, nnd besonders jene oben näher betrachteten, mehrromantischen als epischen Dichter, dnrch das, was er in sichtbarer Be-ziehung ans ihn unmittelbar thnt, singt nnd beschreibt.

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Pn'sclmdcnhcit miscrcö Gedichtes von den Werken der Alten. — Mangel ansinnlichem Neichthnm.

Wenn wir so eben von einer gewissen Aehnlichkcit dieses Gocthc'-schen Gedichtes mit den Werken der Alten redeten, so ist cs unmöglich,nur irgend lange bei derselben zu verweilen, ohne noch stärker an denmächtigen Contrast erinnert zu werden, in welchem cs mit denselben steht.Zwar ist es unleugbar in einem hohen und echt antiken Stile gedichtet;allein dies hindert nicht, daß es nicht sowohl in der Behandlung desStoffes, als selbst in der Art der Darstellung den Charakter unserer Zeitauf eine gleich unverkennbare Weise an sich trägt. Vielmehr finden