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entweder jede dichterische Behandlung verschmäht, oder nur in dem reinstenund höchsten Stile der Kunst eine glückliche Wirkung verspricht.
Aber wie viel einfacher wird dieses Bild mütterlicher Zärtlichkeit nochunter den Händen unseres Dichters! Er schildert nicht den Zustand hef-tiger Leidenschaft, nicht die qualvolle Furcht vor einem drohenden, oderden zerreißenden Schmerz über einen erlittenen Verlust; auch bei ihm istdaS mütterliche Herz um das Glück des Sohnes besorgt, aber diese Be-sorgnis; entspringt mehr ans der Acngstlichkeit der Liebe, als ans der drin-genden Lage der Umstände. Er zeigt uns nicht die Sorgfalt für die ersten Jahreder Kindheit, für den erst stammelnden Säugling — eine Lage, die durchdie zarte Unschuld, die liebliche Anmnth, die abhängige Hülflosigkeit die-ses Alters einen cigcnthümlichcn Reiz gewinnt. Er schildert uns die Mut-ter mit dem erwachsenen Sohne, also in Verhältnissen und Empfindungen,die, um unserem Herzen wichtig zu werden, nichts als ihre einfache Wahr-heit, ihre tiefe Innigkeit besitzen. In dem Charakter dieser Mutter selbsthat er alle Einfalt einer schönen und reinen, aber schlichten Natur ver-einigt; sie überall sonst nur als die hülfreiche Gattin, die geschäftigeHausfrau gezeichnet; und dies Bild noch durch die Züge verstärkt, dieer von einer gewissen kindischen Naivctät in ihrer früheren Jugend erzählt.
Gerade aber durch diese Kühnheit, seinen Gegenstand schlechterdingsda anfzunchmcn, wo er bloß Natur ist, führt er ihn ans eine Stufe ein-facher Erhabenheit, von der wir sonst kaum einen Begriff haben. Wenig-stens erinnern wir uns bei keinen: anderen Dichter einer Schilderung einerMutter, die an Natur und Wahrheit, an Größe und Schönheit der Ge-sinnung mit dieser verglichen werden dürfte. Wie groß und edel irgendeiner der in diesem Gedichte ausgestellten Charaktere erscheinen mag, sodarf diese Mutter keinem derselben weichen. Sic ist durchaus gut, durch-aus verständig, durchaus zart und sein empfindend; nirgends zeigt siceinen Mangel, nirgends einen Mißklang. Ihr Charakter ist ganz iden-tisch i denn nirgends wird man eine cinengcnde Schranke in demselben ge-wahr; und er ist zugleich ganz natürlich: denn sein Wesen besteht bloß indem, was den: Menschen zugleich mit der Menschheit cingcpflanzt ist.
Darum ist die Liebe dieser Mutter nicht bloß stark und innig, son-dern zugleich auch so zart; darum ihr Sinn so fein, die innersten Gefühleihres Hermanns mitten ans seinen halb verstellten, halb verwirrten Wor-ten zu enträthseln; darum ihre Schonung für jede Denkungsart so schön;ihr Sinn für jede Eigcnthümlichkcit in der Menschheit so groß und inensch