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Was das letzte Ziel jedes künstlerischen Bemühens ist, dahin hatdies Gedicht in der That ein auffallendes und entschiedenes Streben, da-hin gelangt es mit dem glücklichsten Erfolge. Der echte Dichter, habenwir gesehen, wirkt allein ans die Einbildungskraft; er bestimmt sie, freiund gesetzmäßig einen Gegenstand aus sich selbst zu erzeugen; er stellteinzelne Gestalten vor ihr auf, und zeigt ihr in ihnen die Welt und dieMenschheit in ihren letzten und größestcn Verbindungen. Gerade dasselbeerfährt auch der Leser Hermanns und Dorotheens. Von dem erstenGesänge an fühlt er seine Phantasie mächtig ungezogen; die einzelnenTheile der Handlung, die sich vor ihm bewegt, gehen wie von selbstans ihr und aus einander hervor; er glaubt sich Thcilnchmer des Fami-lienkreises weniger Menschen, und wird zu einer Höhe der Ansicht erho-ben, über die er selbst bewundernd erstaunt.
Nicht Worte sind cs, die seinem Ohre nachhallen, nicht einzelneGedanken und Anssprüche, die sich, ans dem Ganzen hcransgerisscn, sei-ner Seele cingcprägt haben; so vieles ihm auch davon noch gegenwärtiggeblieben ist, das die Erinnerung bei ähnlichen Vorfällen des Lebens zu-rnckfnhrcn wird, so sind in dem Momente, wo er dem Dichter bis ansEnde gefolgt ist, es doch nur die Sache, die Handlung, die Personen, dielebendig vor ihm dastehcn.
Er sicht den Jüngling, dessen Gefühle bis dahin imentfaltet, ihmselbst unbewußt, gebunden schlummerten, durch eine plötzlich anflodcrndeLeidenschaft von den Banden befreit, die sein Inneres hemmten, sieht, dadieser Zauber in ihm gelost ist, die edelsten und höchsten Entschlüsse inihm aufkeimen, sicht ihn beim ersten Blicke das Mädchen erkennen, dasdie Natur für ihn bestimmt hat, und sich mit reinem Vertrauen dieserEmpfindung überlassen; sicht das Mädchen, das, mnthig und thätig, ineigener Bedrängniß noch hülfreich ist, eitlen Hoffnungen nicht träge ver-traut, in wahrer Noth nicht feige verzweifelt, edler Liebe nicht unem-pfänglich stille Wünsche im bescheidenen Busen birgt, aber, wenn ihr Ehr-gefühl aufgeregt wird, mit weiblichem Mnth die verborgensten Falten ihresHerzens anfdeckt; sieht die Menschheit, wie.sie in allen ihren Formenreine und große Charaktere bewahrt, wie sie einzeln verthcilt, was ver-bunden in geschlossenem Kreise innere Vollendung mit äußerer Zufrieden-heit paart; sieht endlich das Schicksal, wie cs Individuen und Nationenaus einander schlendert, aber nichts gegen die unermüdliche Kraft desBrenschen vermag, der, wo cs ihn hinwirft, immer wieder von neuem Fuß