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In dieser Kunst, das ganze Leben der Phantasie vorzuführen, oderden ganzen Menschen in seinem Innersten zn erschüttern, und also immerans einmal alles zn umfassen, was ihn zu rühren vermag, hat niemanddie Alten übcrtroffcn. Jede Hymne des Pindar, jeder größere Chor derTragiker, jede Ode des Horaz durchlauft, nur in unendlich abwechselnderMannichfaltigkcit, denselben Kreis. Immer ist es die Erhabenheit derGötter, die Macht des Schicksals, die Abhängigkeit dcS Menschen, aberauch die Größe der Gesinnung und die Höhe des Mnthes, durch welcheer sich gegen da§ Schicksal zn behaupten, oder gar über dasselbe zn er-heben vermag, welche der Dichter schildert. Und wie anders, wie leben-diger, reicher, sinnlich-klarer noch ist eben dies im Homer gezeichnet!Nicht bloß in seinem ganzen Gedichte, in jedem einzelnen Gesänge, fast injeder einzelnen Stelle liegt das ganze Leben offen und klar vor uns da, daßdie Seele auf einmal leicht und sicher, was wir sind und vermögen, waswir leiden und genießen, wo wir recht thnn und wo wir fehlen, entscheidet.
Daher die beruhigende Wirkung, die jedes rein gestimmte Gcmüthbei der Lesung der Alten erfährt; daher, daß sie auch den leidenschaftlich-sten Zustand heftiger Aufwallung oder erliegender Verzweiflung allemalzur Ruhe herab- und zum Mnthe hinausstimmen. Denn diese Kraftcinhauchcnde Ruhe fehlt niemals, sobald nur der Mensch sein Verhält-nis; zu der Welt und dem Schicksale ganz übersieht. Bloß wenn ergerade da stehen bleibt, wo die äußere Macht seine innere Kraft, oderseine innere Heftigkeit das äußere Gleichgewicht zn überwältigen droht,entsteht verzweifelnder Mißmnth, und so günstig ist die ihm in der Reiheder Dinge angewiesene Stelle, daß Harmonie und Ruhe immer sogleichznrückkehren, als er nur den Kreis der Erscheinungen vollendet, welcheihm die Phantasie in diesen Augenblicken einer ernsten Rührung, in wel-cher er mit dem Geschicke Rechnung hält, vorführt.
IX.
Diese Totalität ist allemal eine nothwcndigc Folge der vollkommenen Herrschaftder dichterischen Einbildungskraft.
Aber cs hängt nicht .bloß von der oft zufälligen Wahl des Gegen-standes, nicht von der Individualität des Dichters ab, sich dieser Totalität