I.
Wirkung des Gedicktes im Ganzen. — Es läßt einen rein dichterischenEindruck in dem Gemüthe zurück.
Dic schlichte Einfachheit dcö geschilderten Gegenstandes nnd dieGröße nnd Tiefe der dadurch hcrvorgcbrachtcn Wirkung, diese beidenStücke sind cS, welche in Gocthc's Hermann und Dorothea dic Bewunderungdes Lesers am stärksten nnd unwillkürlichsten an sich reißen. Was sicham meisten entgcgensteht, was nur dem Genie des Künstlers, und auchdiesem allein in seinen glücklichsten Stimmungen zu verknüpfen gelingt,finden wir ans einmal vor unserer Seele gegenwärtig — Gestalten, sowahr und individuell, als nur dic Natur nnd dic lebendige Gegenwartsie zu geben, und zugleich so rein und idcalisch, als die Wirklichkeit sicniemals darzustcllen vermag. In der bloßen Schilderung einer einfachenHandlung erkennen wir das treue und vollständige Bild der Welt undder Menschheit.
Der Dichter erzählt die Verbindung eines Sohnes aus einer wohl-habenden Bürgcrfamilie mit einer Ausgewanderten; er thut nichts, alsdie einzelnen Momente dieser Handlung, die einzelnen Theile dieses Stoffesans einander legen, die Reihe der Umstände entwickeln, wie sic natürlichnnd nothwendig ans einander entspringen; er ist nie mit etwas anderem,als mit seinem Gegenstände beschäftigt; alle Hindernisse, durch die er denKnoten der Handlung schürzt, alle Mittel, durch die er ihn wieder löst,sind allein aus diesem nnd ans den Charakteren der handelnden Personengenommen; alles, wodurch er die Thcilnahme des Lesers gewinnt, ist alleinin diesem Kreise enthalten, nnd nie tritt er in seiner eigenen Individualitäthervor, nie schweift er in eine eigene Betrachtung, oder eine eigene Empfin-dung aus. Und ans welchen Standpunkt sicht sich dadurch der Leser