10 »
o! war in diesen Augenblicken nichts in IhremHerzen, was beredter als Worte für mich sprach?Rein und heilig wie Sie sind, kennen Sie freilichnicht die Gefühle, welche in mir brennen und toben.Wenn Sie an meiner Seite sind, glüht Ihr« Handnicht, wenn sie auch bebt; Ihre Stimme, wenn gleichgedampfter, zittert nicht von Empfindungen, die sienicht aussprechcn dürste; Ihr Herz ist nicht, gleichdem meinigen, von einer sengenden, verzehrendenFlamme ergriffen; Ihr Schlaf ist nicht durch unruhigestürmische Träume aus einer Werjüngnngsquelle desLebens in ein Gift verwandelt. Nein Emilie! Gottverhüte es, daß Eie die Schuld, den Kampf empfin-den sollten, welche an mir zehren; aber doch in dertiefen und edlen Zärtlichkeit Ihres Herzens müßenSie eine Stimme finden, welche zum Schweigen zubringen, schwer ist. Mit all den erdichteten Bandenund Vorspiegelungen der Kunst könne» Sie dochaus Ihrem Buse» die unüberwindlichen Triebe derNatur nicht verbannen. Was ist es, was Siefürchten? Sie werden antworten: die Schande!Aber können Sie ein Gefühl davon haben, Emilie,wenn Sie sie mit mir theiien? Glauben Sir mir, daßdie unter Schaam nnd Kummer erwachsene Liebe v»ntieferer und heiligerer Art ist, als die im Stolzgroß gezogene und in Lust und Genuß gepflegte.
Aber wenn nicht die Schande, so ist es vielleichtdie Schuld, weiche Sie fürchten? Sind Sie dennjetzt noch so schuldlos? Der Ehebruch des Herzens