Druckschrift 
Viertes Bändchen (1836)
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

Frankreich mag glauben dem wahren Genius derNation durch die Nachahmung deutscher Schauer-darstellungen, die der deutschen Tiefe entbehren,zu dienen. Alles ächt Nationale und Dauer Ver-sprechende was Frankreich in lezter Zeit hervorge-bracht hat, ist, mit nur vereinzelten Ausnahmen, ganzvon den bezeichnenden Eigenschaften Voltaires durch-drungen: die politischen Schriften Paul Conrier's,die Dichtungen Berangers, die Romane von Panlde Kock. Die romantische Schule ist für Frankreichwas die dclla Cruscas für uns waren, nur kvmtihr der Vorzug vor Leztern zu, daß sie unmoralischsein möchte, wenn fle's tönte. Sie hat die ganzeVerdorbenheit des Eunuchen, aber glüklicherweiseauch seine Unmacht.

Diese Abschweifung aber führt mich auf Je-mand, den ich von jenem allgemeinen Urtheil aus-nehmen muß. Von Fernen ging ich nach Coppet;von dem wenigst sentimentalen Schriftsteller wandtensich meine Gedanken zu der sentimentalsten Schrift-stellerin. Voltaire bildet wirklich den moralischenAntipoden der Frau von Stadl. Der Weg vonFerney nach Coppet ist hübsch aber einförmig. Mannähert sich dem Haus durch ein kleines Gelände,welches an England erinnert. Links in einem dich-ten Gebüsch ist das Grab der Frau von Stael.Wie viele ihrer beredten Worte über den Schmerzdes Daseins strömten auf mich ein, als ich es rr-bliktc. Niemand vielleicht fühlte so vernehmlich den