Druckschrift 
6 (1834)
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

105

UM Mitternacht die Straße» dnrchschwärmen, ihmde» Weg vertreten. Beide sahen einander recht insGesicht; und so begegnete, zum erstenmal wieder,seit sie ihr Haupt auf dasselbe Kiffen niedergelegthatten, der Gatte seiner Gattin wieder! Der Him-mel war ganz klar und das Laternenlicht fiel voll undruhig auf beider Antlitz. Beide konnten nicht unZweifel bleiben. Plötzlich, verstört und mit tödtli-cher Bestürzung erkannten sie sich. Das Weibschwankte und mußte sich an einem Pfosten halten;Brautons Anssehen blieb kalt und unbeweglich; dieStunde, nach der dieser bittere und rachsüchtige Geistgelechzt halte, war gekommen; seine Nerven dehntensich in wollustvoller Ruhe aus, gleichsam um ihmeinen recht bedächtigen Genuß der Erfüllung seinerHoffnung zu gewähren. Was immer die Worte scynmochten, welche bei diesem von keinen Zeugen beob-achteten, grausenhaften Zwiegespräch zwischen ihnenfielen: wir dürfen sicher glauben, daß Brandon, soviel in seiner Macht stand, der Unglücklichen keinenTropfen Bitterkeit schenkte. Das verwahrloste, ver-worfene Weib kehrte nach Haus zurück und ihr gan-zes Wesen, durch Verbrechen und gemeine Le-bensweise hcrabgewürdiat, versteinerte sich zur Rach-sucht, zu dem unnatürlichen Gefühl, das man dieHoffnung der Verzweiflung neunen kann.

In der dritten Nacht nach diesem Zusammen-treffen wurde in Brandons Haus eingebrocheu. Wiedie Häuser vieler Rechtsgelehrten lag es in einer