kann einer Sünde schuldig seyn, dem der Himmeleine schone Stirne schenkte. Wie innig, wie schwär-merisch liebte Lucic! Sie hatte sich einen kostba-ren geheimen Schatz gesammelt — einen Hand-schuh — eine Feder — ein Buch — ein welkesNoscnblatt — Kleinodien, die unschätzbar waren,weil Er sie berührt hatte; aber, was mehr istals das Alles: sie belaß die Folge seiner Briefe,vom ersten förmlichen Villct an, das an ihrenVater geschrieben war, und ihr galt, worin erauf eine Einladung antwortete und Miß Brandondie Mnsikalicn entgegen zu nehmen bat, welchesie sich gewünscht hatte, bis zu dem stürmischen,ihr unerklärlichen Schreiben, worin er ihr auf im-mer entsagte. An diesen Reliquien weidete sichihr Auge stundenlang, und wenn sie so darüberund über Gedanken, zu tief nicht allein für Thrä-ncn, sondern auch für jede Aeußerung oder Kund-thuung, brütete: da konnte inan beinah im buch-stäblichen Verstände beobachten, wie ihre reicheWange bleicher wurde, wie ihre volle und elastischeGestalt dahinfchwand.
Eben war sie in einer solchen Stimmung ver-sunken, als ihr Oheim an ihrer Thüre pochte; siewarf ihre Schätze beiseite und eilte ihn einzulasscnund zu grüßen. „Ich komme," sagte er lächelnd,„mir das Vergnügen deiner Gesellschaft für einenalten Freund zu erbitten, der heute bei uns speist.Aber halt, Lueie, deine Haare sind noch nicht recht