124
rein und zu edel für die praktischen Bande und Neigungendes Lebens, die Hand des Geliebten Deiner Jugendausgcschlagcn. Jetzt flehe ich Dich noch einmal an,die Mcinige zu werden! Gewähre meinem Gewissenden Balsam des Glaubens, daß ich Dir die Leidenund den Kummer vergüten kann, die ich über Dichbrachte. Nein, weine nicht, wende Dich nicht weg.Wir stehen Beide allein, wir bedürfen Beide Einesdes Andern. In Deinem Herzen sind meine süßestenGedanken, meine heitersten Erinnerungen verschlossen.In Dir sehe ich de» Spiegel von dem was ich war,als die Welt mir noch neu, che ich die Entdeckung ge-macht, wie das Vergnügen vor uns erbleicht und derEhrgeiz täuscht! Und mich, Alice — ach! Du liebstmich noch! Zeit und Trennung haben die Kette, dieuns bindet, nur verstärkt. Bei der Erinnerung anunsere frühe Liebe — bei dem Grab unscrs verlornenKindes, das, wenn cs noch lebte, seine Eltern würdevereinigt haben — flehe ich Dich an, werde dieMcinige!"
„Zu Großmüthiger!" sagte Alice, beinahe zusam-mensinkcnd unter der Bewegung, welche diesen cdclnGeist und diese gebrechliche Gestalt erschütterten. „Wiekan» ich zngcbcn, daß ei» Mitleid — denn nurMitleid ist es — Dich täuscht. Du bist von anderemStande als ich glaubte. Wie kannst Du das Kind desElends und der Schuld zu Deinem Rang erheben? —Und soll ich — ich — die, Gott weiß! Dir gern allesLeid ersparen möchte, — Dir jetzt, wo die Jahre das