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chinesischen Kaiser, der großes Misfallen an demobersten Geschichtschreiber des himlischen Reiche«nahm, weil er mit zu genauer und schlichter Treuein seinem Bericht alle Jrrthümcr und Schwächendes Fürsten angab. „Ich bewundere Deine Unver-schämtheit," sagte der Kaiser stirnrunzelnd; „Duwagst also zum Besten der Nachwelt ein Tagebuch! über alle meine Fehler zu halten?"
„Ja!" erwiederte unerschrokken der Geschicht-j schreiben, „ich berichte getreulich Alles was einerspäter» Zeit «in richtiges Bild von Ew. MajestätKarakter geben kann; sobald ich mich daher wcgbe-geben darf, werde ich sogleich in meine Kronik dieDrohungen und Vorwürfe eintragen, die mir ge-macht wurden, weil ich die Wahrheit sage."
Der Kaiser war erschrekt, aber die Chinesenbefinden sich schon lange im Genuß sehr verständigerMonarchen. „Geh," sprach er nach kurzem Beden-ken mit einem offenen Lächeln: „geh, schreibe niederwas Dir beliebt; fortan will ich mich bestreben daßdie Nachwelt wenig an mir ausznsezzen haben soll."
In dem Geist, worin der Historiograph vondem Fürsten schrieb, schreib' ich jezt von einemVolk. Wird es über meine Offenheit in Schilderungseiner Schwächen zürnen? Nein, es wird nichtminder grosmnthig oder minder weise sein, als derKaiser von China; — in jenem Fall würd' ich michwie mein Vorbild durch ein Supplement, das diemir gemachten Vorwürfe enthielte, rächen. IchBnlwer's Romane. 4