1891
leicht weniger von ihrer außerordentlichen Schönheit, alsvon einem gewissen Ausdruck in ihrem Gesicht, der bei allemUnterschied der Linien und der Farbe ihn an Nora erinnerte.Und während er durch seine Lobsprüche auf Hartes, ihre Auf-merksamkeit fesselte und sich ihre Zuneigung gewann, machteer vielleicht die Entdeckung, daß die Aehnlichkeit, die ihmaufgefallen war, eher ihren Grund in den Charakterzügenhatte, welche die Lebende mit der Verlorenen theilte — die-selbe bezaubernde Vereinigung eines edlen Gedankenschwungsmit kindlicher Unschuld — dieselbe Begeisterung — dieselbereiche, übersprudelnde Phantasie, verbunden mit der Tiefedes Gemüths. Zwei einander so ähnliche Seelen drückendiese Aehnlichkeit auch in den Blicken aus, die ihr Abglanz sind.
Andererseits unterhielt sich Harley während der seltenenZwischenräume seiner Muße am liebsten und auf's traulichstemit Helen. Eines Tages stand Audley Egerton traurig andem Fenster des ihm angewiesenen Wohnzimmers und be-merkte, wie die Beiden, welche er noch immer für Verlobtehielt, Seite an Seite durch den Park gingen. „Wollteder Himmel, daß sie ihn für Alles entschädigte!" murmelteAudley. „Aber ach, wenn es doch Violante gewesen wäre!Dann hätte ich die Nebcrzeugung gehabt, daß die Zukunftdie Vergangenheit austilgeu werde — und ich würde denMuth finden, ihm Alles zu sagen. Als ich gestern Abenddavon sprach, was Harley in England seyn könnte — wieglichen da ihre Augen und ihr Lächeln den erfreuten BlickenNora's, wenn diese in entzückter Theilnahme den Hoffnungenzuhörte, die mein jugendlicher Ehrgeiz ihr vertraute." Mit
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