-1736
Nichts störte ihre Einsamkeit, und im ganzen Haus ließ sichauch nicht eine Stimme vernehmen. Aber sie fühlten we-der Kälte noch Hunger; nur die Oede ihres Zimmers, dasSchweige» und die Furcht vor etwas, das kommen sollte,lastete schwer auf ihnen.
Endlich gegen Mitternacht erscholl der Ton einer Glockevon der Hausthüre her; daun vernahm man rasche Tritteauf der Treppe, das dumpfe Zurückschieben von Riegel» unddas Murmeln von Stimmen. Licht drang durch die Thür-spalten in das Gemach, und endlich öffnete sich die Thüreselbst. Zwei Italiener traten mit brennenden Kerzen ein,und der Graf di Peschiera folgte ihnen.
Bealrire sprang auf und stürzte auf ihren Bruder zu.Er legte sanft seine Hand auf ihre Lippen und winktc denItalienern, sich zu entfernen. Sie stellten die Lichter aufden Tisch und verschwanden so stumm, wie sie eiugetretenwaren.
„Meine schöne Muhme," sagte er mit der Miene leich-ter, aber entschlossener Zuversichtlichkeit, „es gibt Dinge,dis kein Mann entschuldigen und keine Frau verzeihen kann,wenn nicht die Liebe, welche über allen Gesetzen steht, dieEntschuldigung des einen und die Vergebung der anderen er-wirbt. Mit einem Wort, ich habe geschworen, Euch zu ge-winnen, und die Gelegenheit zum Werbe» war mir versagt.Fürchtet Euch nicht; das Schlimmste, was Euch betreffenkann, besteht darin, daß Ihr meine Braut werdet. Trittbei Seite, Schwester — tritt bei Seite."
„Giulio, nein! Giulio Frauzini, ich trete zwischen