1734
gen Verwandten zu versuchen, daß diese wenigstens den Be-such des Grafen aunahm und ihm gestattete, seine Ent-schuldigungen vorzubringen und für sich selbst zu sprechen.Aber der hohe Geist, mit welchem Violantc Anfangs ihreFragen abwies, dann die edelmüthige, holde Zartheit, alsdas Mädchen sah, welchen wahnsinnig machenden Qualendas wilde Herz erlag, und die Reinheit ihres offenen Wesens,als sie endlich die eigene jungfräuliche Scham hinreichendüberwältigt hatte, um den von ihr entdeckten Jrrthum auf-zuklären und den wahren Gegenstand ihrer Liebe zu nennen— alles Dies zusammen übte auf Beatrice eine solche Wir-kung, daß sie sich vor ihrer jugendlichen Verwandten nieder-beugte, wie ein Matrose früherer Zeiten vor einer schönenHeiligen, welche den Sturm beschworen hatte.
„Ich habe Euch getäuscht," rief sie unter Schluchzen;„aber Ihr sollt gerettet werden, was es auch kosten mag.Wärt Ihr gewesen, was ich von Euch vermuthete — die Ne-benbuhlerin, welche alle Hoffnungen meines künftigen Lebensvernichtete — so würde ich ohne Bedenken die Nolle durch-geführt haben, zu welcher ich mich bei dieser Handlung desBerraths verpflichtete. Aber jetzt, Ihr — oh, Ihr — sogut und so edel — Ihr könnt nie die Braut Peschiera'swerden. Nein, erschreckt nicht. Er muß seine Anschlägeauf Euch für immer fallen lassen, oder ich gehe selbst zu un-serm Kaiser und enthülle die schwarzen Geheimnisse seinesLebens. Kehrt mit mir hurtig nach dem Hause zurück, ausdem ich Euch verlockt habe."
Beatrice's Hand lag während dieser Schlußworte auf