1715
„Nicht, daß ich mich erinnern könnte."
Beatrice seufzte tief auf und ließ ihren Schleier fallen.Einige Fußgänger kamen jetzt durch den Heckenweg herauf,und als sie zweier Damen von so auffallendem Aeußerenansichtig wurden, wandten sie sich um und blickten ihnenneugierig nach.
„Wir können hier nicht sprechen," bemerkte Beatriceungeduldig; „und ich habe Euch so viel zu sagen — so vielzu fragen. Vertraut Euch mir noch weiter an; Ihr thutes in Eurem eigenen Interesse. Mein Wagen wartet dort.Kommt mit mir nach meiner Wohnung ich werde Euchkeine Stunde aufhalten und will Euch selbst wieder zurück-bringen."
Dieser Vorschlag machte Violante betroffen; sie zog sichmit einer Geberde der Verneinung gegen das Pförtchen zu-rück. Beatrice legte ihre Hand auf den Arm des Mävchens,lüstete abermals ihren Schleier und betrachtete sie mit einemBlick, in welchem sich halb Verachtung, halb Bewunderungaussprach.
„Ich würde auch einmal vor jedem Ueberschreitcn derförmlichen Linie zurückgebebt seyn, durch welche die Welt dieFreiheit des Weibes abgränzt. Und Ihr seht jetzt, wie kühnich bin. Kind, Kind, kehrt Euch nicht an Kleinigkeiten, woEuer Schicksal auf dem Spiele steht. Es bietet sich viel-leicht nie wieder eine Gelegenheit dar, wie jetzt. Nichtbloß um Euch zu sehen, bin ich hieher gekommen; ich mußetwas von Euch erfahren — etwas von Eurem Herzen.Warum erschreckt Ihr? Ist dieses Herz nicht rein?"
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