1714
stand. Und Mr. Leslie hatte selbst gesagt, Madame di Ne-gra allein sey im Stande, sie von ihm zu befreien. Auchwar dieser Dame von Harley das Zeugniß gegeben worden,daß sie edle Eigenschaften besitze, und wer außer Madame diNegra konnte ihr als Verwandte schreiben und mit „Bea-trice" unterzeichnen?
Ein Weilchen vor der anberaumten Stunde schlich sieunbemerkt durch die Bäume, öffnete das Pförtchen und trat inden ruhigen, einsamen Feldweg hinaus. Einige Minutenspäter kam raschen, leichten Schritts eine Frauengestalt aufsie zu, welche mit einer Art wilder, unterdrückter Heftigkeitden Schleier zurückwarf und in die Worte ausbrach:
„Ihr seyd es — ja, man hat mir die Wahrheit berich-tet. Schön! — Schön! Und oh! welche Jugend und welcheWlüte!»
Ihre Stimme klang beim Schluß wehmüthig gedämpft,und von dem To» überrascht, wie unter dem Lobe erröthend,schwieg Violante eine Weile still. Dann begann sie miteinigem Stocken —
„Jlir seyd, wie ich vermuthe, die Marchese di Negra?Und ich habe genug von Euch gehört, um Euch mein Ver-trauen zu schenken.»
„Von mir? Durch'wen?" fragte Beatrice fast mitHeftigkeit.
„Durch Mr. Leslie und — und —»
„Fahrt fort — warum stottert Ihr?"
„Durch Lord L'Estrange."
„Sonst durch Niemand?"