1711
sie besucht? Möchtet Ihr ihn nicht durch Euren Rath dazubestimmen?"
„Jeder Eurer Wünsche ist mir GesetzentgegneteHarley galant. „Ihr wünscht, daß Euer Bater sie aufsuche?Ich will sehen, ob ich ihn dazu bereden kann. Aber zumDank vertraut mir Euer Geheimniß. Welchen Zweck habtIhr dabei?"
„Die Rückkehr nach Italien. Ich kümmere mich nichtum Rang und Ehren, und auch mein Vater hat aufge-hört, ihren Verlust zu beklagen. Aber die Heimath — dasVaterland wieder zu sehen — oh, und dort zu sterben!"
„Sterben? Ihr Kinder habt so kürzlich erst den Himmelverlassen, daß ihr sprecht, als könntet ihr zu ihm zurück-kehren, ohne durch die Thore des Kummers, des Altersund der Gebrechlichkeit gehen zu müssen! Aber ich dachte,cs gefiele Euch in England. Warum drängt es Euch so sehr,es zu verlassen? Violante, Ihr seyd lieblos gegen uns —gegen Helen, die Euch schon so innig zugethan ist."
Während Harley so sprach, war Helen von dem Pianoaufgestanden. Sie trat auf Violante zu und legte liebkosendihre Hand ans die Schulter der Italienerin. Violante schau-derte und wich zurück. Sowohl Harlcy's als Helens Blickefolgten ihr; die des Ersteren waren sehr ernst und ge-dankenvoll.
„Findet Ihr Eure Freundin nicht verändert?" fragteer, zu Boden schauend.
„Ja — in letzter Zeit sehr verändert. Ich fürchte, sieträgt etwas auf der Seele, kann mir aber nicht denken, was."