4888
eine so kurze Zeit den Menschen in dieser Weise verändern?Nicht möglich!"
Randal Leslie klingelte an dem Hauptportal, fragtenach Violante und ging ihr, als er sie selbst auf das Hauszukommeu sah, dreist und offen entgegen. Seine Stimmetraf sie erschreckend, als sie eben an einem der trübseligenBäume lehnte und noch immer in ihrer Verlassenheit vor sichhinmnrmelte.
„Ich habe einen Brief von Eurem Bater an Euch,Signorina," sagte er. „Aber eh' ich ihn Euren Händenübergebe, muß ich eine Erklärung vorausschicken. LaßtEuch herab, mich anzuhören."
Violante schüttelte ungeduldig den Kopf und streckteihre Hand nach dem Brief aus. Randal beobachtete ihr Antlitzmit seinem scharfen, kalten, spähenden Blicke, gab aber dasSchreiben nicht ab, sondern fuhr nach einer Pause fort:
„Ich weiß, daß Zhr zu einem fürstlichen Vermögen ge-boren wurdet, und der Anlaß, welcher meine Ansprache anEuch entschuldigen wird, liegt in dem Umstande, daß EuerGeburtsrecht für Euch verloren ist, es sey denn, daß Ihrin eine Verbindung mit dem Mann willigen könntet, derEuch Eures Erbes beraubte. Aber in einer solchen Ver-bindung sieht Euer Vater eine Schmach für sich selbst undfür Euch. Signorina, ich habe vielleicht eine Anmaßungbegangen, indem ich die Liebe zu Euch in mein Herz einschlei-chen ließ, würde mich aber nie erdreistet haben, von dieserLiebe zu sprechen, wenn nicht Euer Vater durch seine Zu-stimmung meine Werbung ermuthigt hätte."