1681
gewöhnliche Schicksal von Männern seines Gleichen, nur all-zusehr geliebt zu werden.
Auf ihrem Sterbebette fühlte sich sein Herz durch ihrenwehmüthigen Vorwurf gerührt — „Nichts, was ich thunkonnte, war je im Stand, Euch Liebe zu mir eiuzuffößen !" —„Es ist wahr," entgegnete Audley mit bewegter Stimme undThränen in den Augen, „die Natur verlieh mir nur.einengeringen Vorrath von dem, was Frauen wie Ihr'Liebe'nennen, und auch diesen habe ich verschwendet." Er er-zählte ihr sodann, obschon mit Zurückhaltung, einen Theilseiner früheren Geschichte, und dies besänftigte sie; denn alssie sah? daß er geliebt hatte und des Schmerzes fähigwar, that sich ihr ein Blick in das menschliche Herz auf,wie früher nie. Sterbend vergab sie ihm und segnete ihn.
Audleys Geist wurde durch diesen neuen Verlust sehrergriffen, und er beschloß in seinem Innern, nie wieder zuheirathen. Anfänglich kam ihm der unbestimmte Gedanke,seinen Aufwand zu beschränken und den jungen Randal Lesliezu seinem Erben zu machen. Aber als er den gescheidtenEtonknaben zum erstenmal sah, konnte sein Herz nicht fürihn erwärmen, obschon sein Verstand Randals ausgezeichneteTalente zu würdige» wußte. Er begnügte sich mit dem Vor-nehmen , den jungen Menschen auf einen Weg zu bringen,ans welchem er sich selbst forthelfen konnte, und überhauptzu thun, was er einem entfernten Verwandten seiner ver-storbenen Gattin gegenüber für recht hielt. Immer sorglosund verschwenderisch in Geldangelegenheiten, großmüthigund fürstlich freigebig, nicht weil es ihm einen Genuß be-