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Fünfzehntes Kapitel.
Und so stand Leonard neben dem sterblichen Thon seinesFreundes und belauschte in jenem unaussprechlichen Lächelndes Todes den letzten Strahl, welche» die Seele hier znrück-gelasseu hatte. Und nach einer Weile ging er mit lautlosemTritt wieder zurück in das anliegende Zimmer, als fürchteer, den Tvdten zu stören. So erschöpft er auch vom WachenWar, kam ihm doch kein Gedanke an Schlaf. Er setzte sichan dem kleinen Tisch nieder, stützte das Gesicht auf seineHand und vertiefte sich in wchmüthige Gedanken. So ent-schwand die Zeit. Er horte von nutenden Stundenruf derUhr. Im Hause des Todes wird das Schlagen einer Uhr sofeierlich. Die Seele, welche wir vermissen, ist hingcgangen,wo es keine Zeit mehr gibt. Ein kaltes, abergläubischesGrausen beschlich allmälig den Jüngling. Er schauderte,fuhr zusammen und erhob halb verächtlich, halb herausfor-dernd die Augen. Der Mond war nntergegnugen — diegraue unbehagliche Dämmerung blinkte durch das Fensterund warf ihr rauhes, frostiges Licht durch die offene Thürein das Gemach, wo die Leiche lag. Und dort, liebendemerloschenen Feuer, sah Leonard die Einsame sitzen, die nochimmer in ihren Thränen wachte. Er ging zu ihr, um ihrein Wort des Trostes zu sagen; aber sie drückte ihm dieHand und winkte ihm zurück. Er verstand sie. Ihre Thränenwaren der einzige Trost, dessen sie jetzt bedurfte. Wiederkehrte er nach seinem Gemach zurück, und sein Auge fieldiesmal auf die Papiere, welche bisher unbeachtet dagelegen