Druckschrift 
12/17 (1853)
Entstehung
Seite
1305
Einzelbild herunterladen
 

1S05

fen, daß ich für eine so kleine Frist Euch wieder heimischunter diesem Dache sehen möchte?"

Helen schlug die Augen nieder und schien beunruhigt;dann erhoben sich die taubenartigen blauen Sterne wiedermit einer sanften, engelgleichen Offenheit. Und als suche sieSchutz gegen jede mögliche Anwandlung einer wärmeren Zu-neigung, murmelte sie abermals das Wort:Bruder," undthat, wie sie gebeten worden war.

So saß sie da unter den bestäubten Büchern, an seinemTisch und in der Nähe des offenen Fensters. Ihr schönesHaar war ans der Stirne gescheitelt. Wie gut, wie ruhig,wie glücklich sah sie aus! Leonard wunderte sich über seineeigene Fassung. Sein Herz klopfte ihr entgegen mit so un-aussprechlicher Liebe, und wie gerne hätten seine Lippengeflüstert:Ach, daß cs immer so seyn könnte, wie jetzt! IstDir diese Heimath zu gering?" Aber das Wort BruderWar ein Talisman zwischen ihr und ihm.

Und doch schien sie sich so heimisch zu fühlen fühltesich auch sicherlich heimischer, als in jenem steifen stattlichenHause, in welchem sie so bald die Rechte einer Tochter an-treten sollte. War diese Betrachtung vielleicht der Grund,warum sie so Plötzlich aufstand und mit dem Ausdruck derUnruhe und des Kummers in ihrem Gesichte sagte:

Doch wir lassen Lady Lansmere zu lange warten."

Mit diesen Worten nahm sie hastig Halstuch und Hutwieder auf.

In demselben Augenblick trat Mrs. Fairsteld mit ihrenGästen ein und begann sich wegen ihrer Achtlosigkeit gegen