1272
den konnte, ihre Pflege sehr erwünscht. Ich muß mit Dankihre Sorgfalt anerkennen; anch ließ ich mich gern durch ihritalienisches Plaudern unterhalten. Wir wurden sehr guteFreunde. Sie erzählte mir, sie sey im Dienst einer sehr vor-nehmen Dame gestanden, die in der Sch reiz ihren Tod fand,und da ihre Gebieterin sie reichlich bedacht, so habe sie nachdem Ableben derselben einen Schweizer Wirth geheirathetund sey eine Schweizerin geworden. Als mein Bedienteranlangte, erfuhr sie meinen Namen, den sie vorher nichtgekannt hatte. Sie kam in großer Aufregung zu mir auf'sZimmer — mit einem Wort, sie war das DienstmädchenEurer Gattin gewesen, hatte sie nach meiner Villa begleitetund wurde bei dieser Gelegenheit Zeuge ihres Jammers,weil sie mich, Euren Freund, nicht aufzufinden wußte. DieRegierung hatte ihr Euren Palast in Mailand mit zureichen-dem Einkommen angewiesen, aber sie wollte weder den einennoch das andere annehmen. Da sie mich nicht gefunden,machte sie sich auf den Weg nach England, um Euch selbstaufzusuchen, denn sie hatte in öffentlichen Blättern gelesen,daß Ihr nach diesem Lande -entwichen seyet."
„Sie wagte dies — die Schamlose! Und seht — einenAugenblick vorher schwebte mir nichts mehr vor der Seele,als ilir Grab in einem fremden Boden — und diese Thrä-ne» hatten ihr vergeben," murmelte der Italiener.
„Laßt sie immerhin de» Beweis Eurer Vergebung seyn,"cntgegnete Harlcy mit seiner ausgesuchten Zartheit in Tonund Gebende. „Ich fahre fort. In der Schweiz erlag dieGesundheit Eurer Gattin, die, wie Ihr wißt, immer sehr